Politik

Bayern Im Wahlkampf zeigen sich Horst Seehofer und Markus Söder weitgehend versöhnlich – wie auch gestern Abend in Ingolstadt

Einigkeit nur noch auf der offenen Bühne

Archivartikel

München/Ingolstadt.Es ist großes Theater, schon immer gewesen. Wenn es richtig ernst wird, wenn die Scheinwerfer angehen, wenn die Öffentlichkeit live mit dabei ist, dann schließt die CSU die Reihen. Dann stehen alle eng zusammen, insbesondere die beiden ganz vorne auf der großen politischen Bühne: Parteichef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder.

So war es auf den vergangenen beiden Parteitagen. Und so ist es auch am Montagabend in Ingolstadt, wo die beiden CSU-Spitzen bei einer der seltenen gemeinsamen Kundgebungen im Landtagswahlkampf auftraten. Im Stadttheater, passenderweise. „Große Schauspielkunst“ werde es geben, hatte ein CSU-Vorstand schon im Vorfeld des Auftritts vorausgesagt.

Prolog, draußen vor der Tür: Nein, er habe da zuletzt keinen Streit feststellen können, sagt Seehofer. Andere Fragen blockt er ab. „Ich möchte heute einen schönen Abend verbringen.“ Mit Markus Söder? „Ja.“ Wenig später kommt Söder. Nein, kein Streit, sagt auch er.

Zorn und Verwunderung

In der CSU hat man am Wochenende allerdings mit einer Mischung aus Zorn und Verwunderung registriert, dass die Klärung der Schuldfrage für das drohende Wahldesaster am Sonntag sehr wohl bereits begonnen hat – und das nun auch öffentlich. Söder griff Seehofer zwar nicht direkt an, machte lediglich die große Koalition in Berlin insgesamt mitverantwortlich für die schlechten Umfragewerte. „Das sind natürlich alles Zahlen, die unglaublich geprägt werden durch die Berliner Politik“, sagte er, wieder einmal.

Seehofer, der die Schuld – wenn überhaupt – jedenfalls nicht alleine bei sich sieht, nannte Söder dagegen direkt. „Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt“, sagte er in einem Interview. Das sei das Vorrecht Söders. „Er ist zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf.“

Söder, der weiß, in welchem medialen Fokus die CSU wieder ist, welches Bild die CSU in den Nachrichten abgibt, versucht es deshalb in Ingolstadt mit Ironie. Er und der Parteichef hätten überlegt, wie man im Schlussspurt eine breite Öffentlichkeit erreichen könne. „Und da haben Horst Seehofer und ich entschieden, dass wir das gemeinsam in bewährter Weise machen. Das ist uns auch gelungen“, sagt Söder. „Danke dir, lieber Horst, danke, meine Damen und Herren.“ Die Presse sei da und werde berichten.

Seehofer sagt zu den Hakeleien in seiner Rede fast nichts. Er spricht lediglich von einem „ganz natürlichen Spannungsbogen“ zwischen dem Bund und dem Freistaat – und dankt dem „lieben Markus“ dann noch explizit „für die Zusammenarbeit zwischen Berlin und München“.