Politik

Diesel-Nachrüstungen Autohersteller machen Zugeständnisse / Technische und rechtliche Vorschriften fehlen noch

Einigung mit vielen Fragezeichen

Berlin/Köln.Die deutsche Autoindustrie will nach heftiger Kritik an einem ersten Diesel-Paket nachbessern und ihre Angebote für Besitzer älterer Fahrzeuge erweitern. Dazu können auch die von den Herstellern skeptisch beurteilten Hardware-Nachrüstungen an Motoren und Abgaseinrichtungen gehören. Das sieht ein Kompromiss vor, den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die deutschen Hersteller bei einem Treffen erzielt haben. Wie die technischen Lösungen konkret aussehen, ist offen.

Ohnehin ist die Einigung komplex: Die Hersteller hatten bereits höhere Preisnachlässe auf den Weg gebracht, wenn Kunden ihre alten Diesel in Zahlung geben und einen saubereren Wagen kaufen. Diese Regelung gilt für Intensivstädte in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte vor allem durch Dieselabgase besonders stark überschritten werden. Dazu gehören Kiel, Hamburg, Düsseldorf, Düren, Bochum, Köln, Limburg an der Lahn, Darmstadt, Heilbronn, Ludwigsburg, Backnang, Stuttgart, Reutlingen und München.

Die „Umtauschprämien“ laufen je nach Hersteller bis in die Jahre 2019 und 2020. Diese Umtauschaktionen sollen weiter im Vordergrund stehen, so Scheuer. Nutzen aber betroffene Dieselbesitzer diese Aktionen nicht, sind weitere Maßnahmen geplant. Demnach sind Volkswagen und Daimler bereit, die dann verbliebenen älteren Dieselautos in den „Intensivstädten“ für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen – das sind die Hardware-Nachrüstungen. Bisher hatten VW und Daimler angeboten, 2400 Euro pro Fahrzeug zu zahlen. Die Bundesregierung hatte auf eine höhere Beteiligung gepocht. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3000 Euro.

BMW schert aus

Bei Daimler heißt es, die Nachrüstung müsse vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert und zugelassen werden und nachweislich dazu berechtigen, in bestimmten Städten auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren. „Vor diesem Hintergrund ist Daimler dazu bereit, Mercedes-Benz-Kunden in den Schwerpunktregionen mit einem Maximalbetrag von bis 3000 Euro beim Kauf einer Hardware-Nachrüstung eines Drittanbieters zu unterstützen.“ Volkswagen erklärt, sollten Dieselfahrzeughalter nach 2019 weiter von „Mobilitätseinschränkungen“ betroffen sein, werde der Konzern Kunden ein „Mobilitätsangebot“ von bis zu 3000 Euro machen. BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiter komplett ab. Das Unternehmen will Dieselbesitzer aber nach Auslaufen der „Umtauschprämien“ mit der gleichen Summe von 3000 Euro unterstützen – etwa für einen Neukauf.

Bei den teuren Hardware-Nachrüstungen müssen aber noch technische und rechtliche Vorschriften entwickelt werden. „Technische Lösungen für Pkw-Hardware-Nachrüstungen werden nach der erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungszeit nicht kurzfristig am Markt verfügbar sein“, sagte Scheuer. Und derzeit könne niemand sagen, wie teuer eine Hardware-Nachrüstung tatsächlich sein werde.