Politik

Landtag Parteien spielen alle möglichen Szenarien durch / Schicksalstage für Kanzlerin Angela Merkel

Einstieg in den heißen Herbst

München/Berlin.Für Angela Merkel und ihre vierte Regierung ist der Wahlsonntag in Bayern der Einstieg in einen heißen Herbst, wie ihn die Kanzlerin noch nicht erlebt hat. Stürzen die Wähler die CSU wie von vielen Umfragen vorhergesagt ins Desaster, dürften die Auswirkungen nicht nur für die Christsozialen verheerend sein. In der Union fürchten sie, eine taumelnde CSU könnte nach zwei mit Ach und Krach überstandenen Regierungskrisen erneut auch die Statik der großen Koalition in Berlin erschüttern.

Offen ist, ob ein stürzender CSU-Chef Horst Seehofer sogar seine Dauerkonkurrentin Merkel mitreißen könnte. Und unklar ist auch, wie lange es in der SPD um Parteichefin Andrea Nahles ruhig bleibt, falls die Sozialdemokraten in Bayern tatsächlich ein Ergebnis um die zehn Prozent wegstecken müssen. Es könnte aber auch ganz anders kommen – mit einer Gnadenfrist für alle Seiten. Keiner weiß: Wie stimmen vor allem die unentschlossenen Wähler am Sonntag tatsächlich ab?

Merkel selbst gibt sich gestern gewohnt zurückhaltend: Sie wünsche sich natürlich ein gutes Ergebnis für die CSU, sagt die Kanzlerin ausweichend auf die Frage, ob sie Konsequenzen aus Bayern für die Stabilität der Groko in Berlin befürchte. Und fügt trocken hinzu: „Ich weiß, dass wir in nicht ganz einfachen Zeiten leben. Und ansonsten warte ich auf das Ergebnis.“

In der Bundes-CDU heißt es seit Wochen sowieso, viel wichtiger als der Wahlausgang in Bayern sei es, ob CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier in Hessen am 28. Oktober die Staatskanzlei verteidigen kann. Für diesen Fall gilt es als nicht unwahrscheinlich, dass Merkel wie angestrebt auf dem CDU-Wahlparteitag Anfang Dezember in Hamburg tatsächlich noch einmal zur Vorsitzenden wiedergewählt werden könnte. Kommt es anders und Bouffier würde aus der Regierung gefegt, wird in der CDU nichts ausgeschlossen – auch ein Rückzug der Kanzlerin nicht.

Magische Marke

CDU-Experten halten ein CSU-Ergebnis von 31 Prozent genauso für möglich wie eines von 38 oder 39 Prozent. Als magisch gilt auch in der CSU die 35-Prozent-Marke. Stürzt die Partei nicht weiter ab, könnten sich Söder und Seehofer womöglich beide halten, heißt es. Eine Revolte in der CSU werde am Montag nach der Wahl erstmal ausbleiben, hoffen sie inständig in der CDU. Denn ein „Gemetzel“ mit Schuldzuweisungen zwischen Söder und Seehofer und von München Richtung Berlin würde es den CDU-Wahlkämpfern in Hessen zusätzlich schwer machen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußert sich derweil selbstkritisch zu seinem bisherigen politischen Führungsstil: „Ich gebe aber zu, die Rolle des Landesvaters nach sechs Monaten ist noch nicht so einfach“, sagt er. „Selbst eine normale Vaterschaft braucht neun Monate.“

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