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Atommüll

Endlager-Suche: Mehrere Gebiete in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen geeignet

Archivartikel

Stuttgart/Mainz/Frankfurt/Berlin.Zu den 90 Gebieten in Deutschland, die günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager aufweisen, schließt eine erste Auswahl auch weite Gebiete Baden-Württembergs als möglichen Standort nicht aus. Auch rheinland-pfälzische und hessische Gebiete gehören dazu. Das geht aus dem am Montag vorgelegten ersten Teilbericht zur Standortsuche der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hervor.

Der Südwesten kommt demnach unter anderem bei Tongestein an der baden-württembergisch-bayerischen Grenze infrage. Ein weiteres sehr großes sogenanntes Teilgebiet erstreckt sich von Baden-Württemberg und Bayern über Thüringen, Sachsen-Anhalt, das südliche Brandenburg und Sachsen im Nordosten von Deutschland. Ebenfalls möglich wäre ein Standort im Schwarzwald als Teil einer Region, die sich Richtung Osten über Bayern bis an die tschechische Grenze zieht. Konkrete Regionen werden in dem Bericht nicht genannt.

In Rheinland-Pfalz ist auf der Übersichtskarte der sogenannten Teilgebiete ein Areal aufgerührt, das etwa von Nackenheim (Landkreis Mainz-Bingen) bis Edenkoben (Südliche Weinstraße) reicht. Der Streifen ist meist nicht breiter als zehn Kilometer und hat mehrere Lücken, beispielsweise bei Alzey, und liegt nicht in unmittelbarer Nähe zum Rhein.

Die in Rheinland-Pfalz aufgeführte Fläche gehört zum Teilgebiet "kristallines Wirtsgestein". Insgesamt ist das Gebiet den Angaben zufolge 757 Quadratkilometer groß. Betroffen sind acht Kreise und kreisfreie Städte, die "vollständig, teilweise oder "gerade nur so"" in dem Bericht mit Teilgebieten aufgeführt sind. Es handelt sich um die Landkreise Alzey-Worms, Bad Dürkheim, Donnersberg, Kaiserslautern, Mainz-Bingen und Südliche Weinstraße sowie die kreisfreien Städte Mainz und Neustadt an der Weinstraße.

In dem Teilbericht zur Standortsuche sind auf der Karte auch in Nord-, Ost- sowie Südhessen sogenannte Teilgebiete mit bestimmten Gesteinen aufgeführt, die damit zumindest theoretisch als Lagerstätte infrage kommen. Denn eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit noch längst nicht verbunden. . In den genannten hessischen Gebieten geht es laut BGE um Salzgestein sowie kristallines Gestein.

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallingestein, also etwa Granit, entstehen. 2031 soll der Standort für das Endlager gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall eingelagert werden.

54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen

Berücksichtigt man die Überlappung einiger Regionen, ist dem Bericht zufolge in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als sogenanntes Teilgebiet ausgewiesen. Diese liegen auch etwa in Bayern und Niedersachsen, ebenso in den ostdeutschen Ländern. Insgesamt haben 90 Regionen in Deutschland nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager.

Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist mit dem Teilbericht aber noch nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen. 

Nach Ansicht der BGE erlaubt die Geologie in Deutschland in jedem Fall den Bau eines Endlagers. «Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen», sagte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt am Montag in Berlin. 

Die BGE will in der nächsten Phase im Rahmen einer übertägigen Erkundung Standorte ermitteln, die sie dann zur untertägigen Erkundung vorschlägt. Dies kann Jahre dauern. Nach Abschluss der untertägigen Erkundung wird für 2031 ein Vorschlag für einen Standort angestrebt. Entscheiden muss am Ende der Bundestag.