Politik

Weißes Haus Mitarbeiter von US-Präsident Donald Trump fürchten Covid-19-Erkrankungen und arbeiten vom Homeoffice aus

Enge Büros auf drei Etagen

Archivartikel

Washington.In den engen Büros der Mitarbeiter des US-Präsidenten Donald Trump geht die Angst um. „Ich denke, ich wäre deutlich sicherer, wenn ich zu Hause säße, statt in den West Wing zu kommen“, spricht Wirtschaftsberater Kevin Hassett im TV-Sender CNN offen aus, was andere im Weißen Haus nur hinter vorgehaltener Hand sagen. „Es ist ein wenig riskant.“

Spätestens seit Katie Miller, die Sprecherin von Vizepräsident Mike Pence vergangenen Freitag positiv auf Covid-19 getestet wurde, herrscht auf den drei Fluren im Westflügel des Weißen Hauses helle Aufregung. Fieberhaft versucht der medizinische Dienst des Präsidenten herauszufinden, mit wem die Sprecherin in Kontakt war, die bisher keine Krankheitssymptome zeigt.

Da ist zunächst einmal Trump selbst, der mit Miller am Tag vor deren positivem Covid-19-Test einige Zeit bei einem Treffen der von Pence geleiteten „Corona“-Taskforce im Lageraum des Weißen Hauses verbrachte. Am selben Tag kam heraus, dass sich auch einer der persönlichen Adjutanten des Präsidenten das Virus eingefangen hatte.

Trump, der es demonstrativ ablehnt, Mundschutz zu tragen, versuchte beides herunterzuspielen. „Ich habe sehr wenig Kontakt mit diesem Gentleman gehabt“, sagte er über den Mann, der ihm unter anderem täglich das Essen brachte. Und Miller habe sich „aus heiterem Himmel“ infiziert. „Ich sorge mich nicht um Dinge, die ich tun muss.“

Abstand kaum möglich

Vizepräsident Mike Pence, der täglich in engem Kontakt zu seiner Sprecherin Miller stand, wollte zunächst in Quarantäne gehen. Ein Sprecher-Kollege Millers versicherte dann aber, Pence sei negativ getestet worden und werde weiter ins Weiße Haus kommen. „Er folgt dem Rat seiner Ärzte.“ Die Mitglieder der nationalen „Corona“-Taskforce des Präsidenten, an deren Treffen Miller regelmäßig teilnahm, sind vorsichtiger. Der Pandemie-Berater des Präsidenten Anthony Fauci ging ebenso in Quarantäne wie der Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, und der Leiter der Behörde für die Sicherheit von Lebensmitteln und Medikamenten FDA, Stephen Hahnann. Millers Ehemann, Stephen Miller, der für Trump die Reden schreibt und ein enger Berater in Einwanderungsfragen ist, muss seinen Arbeitsplatz auf unbestimmte Zeit nach Hause verlegen. Kollegen, die vergangenen Freitag mit Katie noch in einer Besprechung waren, sind ebenso besorgt wie Reporter, die sie vergangenen Donnerstag ohne Maske unterrichtete.

Die Expertin für Nationale Sicherheit an der University of Delaware, Samantha Vinograd, teilt die Befürchtung, dass sich der Erreger in den engen Büros auf den drei Etagen des Weißen Hauses schon sehr viel weiter ausgebreitet haben könnte als offiziell bekannt ist. „Mehr als zwei Fuß Abstand zu halten, ist in diesem Arbeitsumfeld nicht möglich“, weiß Vinograd aus ihrer Zeit im West Wing als Mitarbeiterin des Nationalen Sicherheitsrats Barack Obamas. Zumal Trump eine Macho-Kultur zelebriert, in der es in seinem Umfeld als Schwäche angesehen wird, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Unzuverlässige Tests

Als der stellvertretende Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, Matthew Pottinger, mit Maske zum Dienst erschien, machte er sich zum Gespött der Kollegen. Jetzt lacht keiner mehr. Zumal sich auch die Schnelltests von „Abbott Labs“ als chronisch unzuverlässig erwiesen haben, die im Weißen Haus zum Schutz des Präsidenten eingesetzt werden. Das National Institute of Health fand heraus, dass etwa fünfzehn Prozent der Ergebnisse falsche Entwarnung geben.

Unterdessen will der besonders betroffene Staat New York ab Freitag seine Beschränkungen langsam lockern – allerdings nur in den Regionen, die bestimmte Bedingungen erfüllen. Dazu gehörten unter anderem sinkende Infektionszahlen und ausreichend freie Krankenhauskapazitäten wie Gouverneur Andrew Cuomo am Montag sagte. (mit dpa)

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