Politik

Urteil Gericht bestätigt Auskunftspflicht

Erfolg für Kohl-Witwe

Archivartikel

Karlsruhe.Helmut Kohls ehemaliger Ghostwriter Heribert Schwan muss dessen Witwe sagen, welche Inhalte er aus den langen Gesprächen mit dem Altkanzler noch in seinem Besitz hat. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Donnerstag in letzter Instanz. Für Maike Kohl-Richter ist das Urteil die Voraussetzung, um im nächsten Schritt die Herausgabe erstreiten zu können. Es geht um Tonkopien und abgetippte Passagen. Die Herausgabe der Original-Bänder hatte Helmut Kohl zu Lebzeiten erstritten.

Auf Dokumente und Akten, die Schwan für seine Arbeit an Kohls Memoiren zur Verfügung gestellt und möglicherweise nicht vollständig zurückgegeben wurden, dürfte die Kohl-Seite allerdings keinen Zugriff mehr bekommen. Diese Ansprüche sind laut BGH verjährt.

Bruch mit Ex-Kanzler

Der Journalist und Historiker sollte Kohls Memoiren schreiben. Dafür setzte sich Kohl 2001 und 2002 an mehr als 100 Tagen in seinem Haus in Ludwigshafen mit Schwan zusammen und erzählte aus seinem Leben und seiner Zeit als Kanzler. Schwan zeichnete etwa 630 Stunden Gespräch auf. Die 200 Tonbänder nahm er mit nach Hause und ließ alles von seiner Schwester abtippen. Er machte auch Kopien.

Aber nach drei von vier geplanten Bänden kam es zum Bruch. 2014 veröffentlichte Schwan eigenmächtig den Bestseller „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“. Das Buch sorgte vor allem deshalb für Aufsehen, weil der frühere Kanzler und CDU-Chef darin mit etlichen abwertenden Urteilen über Politiker und gesellschaftliche Größen zitiert wurde.

Mehr als 100 Passagen sind derzeit gerichtlich verboten. Kurz vor seinem Tod im Juni 2017 erstritt Kohl 87-jährig die höchste Entschädigung der deutschen Rechtsgeschichte - eine Million Euro. 

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