Politik

Internet-Kriminalität Insgesamt 13 Beschuldigte

Erstes Darknet-Zentrum in Deutschland ausgehoben

Archivartikel

Lautzenhausen.Die Schaltstelle für millionenschwere kriminelle Geschäfte im Darknet ist in einem ehemaligen Bunker verborgen gewesen. Das Darknet ist ein abgeschirmter, unkontrollierter Teil des Internets. Hinter einer schweren Eisentür reihten sich über fünf Etagen unter der Erde Server an Server, über die Kriminelle aus aller Welt im Darknet Drogen verkauften, Falschgeldgeschäfte abwickelten, Kinderpornos verschickten oder Cyberangriffe starteten. Seit Donnerstag ist das Rechenzentrum in dem Ex-Bunker in Traben-Trarbach an der Mosel abgeschaltet. In einer großen Aktion haben Ermittler nach fast fünf Jahren Vorarbeit die Betreiber der großen Server-Anlage ausgehoben. Von 13 Beschuldigten sind sieben in Haft.

Es ist ein besonderer Schlag im Kampf gegen Cyberkriminalität, wie der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, Jürgen Brauer, am Freitag betonte: „Es ist das erste Mal in Deutschland, dass nicht gegen Betreiber von Shops oder Marktplätzen, sondern gegen die ermittelt wird, die diese Straftaten erst möglich machen.“ Und meinte damit eben die Betreiber von Computern, die „in dem sehr großen Rechenzentrum“ liefen, damit „Kunden“ sie für ihre Webseiten und kriminellen Machenschaften nutzen konnten. Im Ex-Bunker werden rund 2000 Rechner vermutet.

Verbindung zu Angriff auf Telekom

Hauptakteur sei ein 59 Jahre alter Niederländer, der den „Cyberbunker“ ab Ende 2013 federführend aufgebaut und betrieben habe, sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz, Johannes Kunz. Gegen die sieben Tatverdächtigen – sechs Männer und eine Frau – bestehe der Verdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der Beihilfe zu Hunderttausenden Fällen von schweren Drogendelikten, Falschgeldgeschäften, Datenhehlerei und der Beihilfe zur Verbreitung von Kinderpornos. Die Zahl der Kunden könne noch nicht abgeschätzt werden, sagte Kunz.

Der Angriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 wurde laut Generalstaatsanwaltschaft über einen Server im „Cyberbunker“ gesteuert.

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