Politik

Parteien Landtagsabgeordnete Martin möchte zehn Monate nach ihrem Austritt aus der Fraktion zu den Konservativen wechseln

Ex-AfD-Politikerin sucht Heimat in CDU

Archivartikel

Stuttgart.Die CDU Rhein-Neckar könnte noch in dieser Woche ein neues Mitglied in ihren Reihen haben: Was nach Routine aussieht, birgt jedoch politischen Zündstoff. Bei dem potenziellen Neumitglied handelt es sich um die baden-württembergische Landtagsabgeordnete Claudia Martin - ihr Mandat hatte sie bei der Wahl 2016 für die AfD geholt, aus deren Fraktion sie im Dezember 2016 ausgetreten war. Jetzt sucht sie eine neue politische Heimat in der CDU. Ob ihr das gelingt, will der Kreisverband Rhein-Neckar noch in dieser Woche entscheiden.

Die stellvertretende Kreisvorsitzende, Annette Dietl-Faude, bestätigte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass Martin Mitglied der CDU werden wolle: Der Aufnahmeantrag sei beim Kreis-Vorsitzenden, dem Bundestagsabgeordneten Stephan Harbarth, eingegangen. "Wir hatten vergangene Woche eine Vorstandssitzung, da war das ein Tagesordnungspunkt", sagte Dietl-Faude. Weniger als ein Jahr nach ihrem Austritt aus der AfD hat also Claudia Martin die Mitgliedschaft bei der CDU beantragt. Grundsätzlich habe der Kreisverband dem Antrag zugestimmt, sagte Martin. "Jetzt liegt es an den Ortsverbänden", lautete die Einschätzung der 47-Jährigen. Ein Antrag auf Aufnahme in die CDU-Fraktion im Landtag liege von Martin hingegen nicht vor. "Sollte sie einen solchen Antrag stellen, würde er ergebnisoffen geprüft - es gibt da keinen Automatismus", sagte CDU-Fraktionssprecher Thomas Oeben.

Kritik erwartet

Martin gab an, in den vergangenen Monaten auch CDU-Veranstaltungen besucht zu haben, um sich die Partei anzuschauen. Sie rechnet mit Kritik vonseiten ihrer früheren politischen Heimat, der AfD. "Ich weiß, welche Reaktion man zu erwarten hat", sagte die Politikerin. Martin soll nach einem Bericht der "Rhein-Neckar-Zeitung" nicht über einen Wechsel zur neuen Partei von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry nachgedacht haben. "Frau Petry hat ja angeblich ab Dezember 2016 Zweifel an der Entwicklung der AfD bekommen. Da war für mich aber längst klar, dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Da bin ich gegangen", wird Martin zitiert.

Die 47-Jährige wurde als AfD-Kandidatin bei den Landtagswahlen 2016 im Wahlkreis Wiesloch mit 18,6 Prozent der Stimmen gewählt. Die staatlich anerkannte Erzieherin zog über eine Besonderheit des baden-württembergischen Wahlrechts in den Stuttgarter Landtag ein.

Der AfD sei sie 2013 beigetreten, weil ihr deren streng konservative Haltung und Euro-Kritik zugesagt habe. Kurz nach ihrer Wahl ins Parlament brach sie jedoch im Dezember 2016 wegen eines Rechtsrucks mit der Partei. Sie erklärte damals, es gebe in der AfD Kräfte, die das Parlament nur als "Bühne für Fundamentalopposition benutzen wollen". Einige Papiere in den Schubladen der Alternative für Deutschland seien "krasser als das, was die NPD früher wollte".

Seit ihrem Austritt aus der AfD-Fraktion sitzt Martin als fraktionslose Abgeordnete im Stuttgarter Landtag neben dem ebenfalls fraktionslosen Wolfgang Gedeon, der wegen seiner antisemitischen Äußerungen heftig in die Kritik geraten war.

Martin ist Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes, geschieden und stammt aus dem Erzgebirge in Sachsen. Sie absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und zog 1994 in die Rhein-Neckar-Region. Hier arbeitet Martin seit vielen Jahren in einem Walldorfer Kindergarten. Sie war von 2013 bis 2016 Mitglied des Vorstands des AfD-Kreisverbands. (mit dpa)

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