Politik

USA James Comey geht den Präsidenten harsch an und wirft ihm Lügen vor / Vielbeachteter Fernsehauftritt

Ex-FBI-Chef: Trump führt wie ein Boss der Mafia

Washington.Über Tage fieberte die Fernsehnation dem ersten großen Exklusiv-Interview entgegen, das James Comey seit seiner Entlassung als FBI-Direktor vor mehr als einem Jahr gewährte. Diesen Termin hatte sich auch der Präsident im Kalender angestrichen. Weil Trump bereits ahnte, was ihn in dem pünktlich zum Verkaufsstart des Buchs „A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership“ (deutscher Titel: „Größer als das Amt“) platzierten Interview erwartete, versuchte er, den Autor des Bestsellers zu diskreditieren. Der „aalglatte“ Comey werde als „Schlechtester FBI-Direktor in die Geschichte eingehen“, twitterte der Präsident vor der Ausstrahlung des einstündigen Gesprächs mit ABC-Moderator George Stephanopoulos. Er sei ein „Schleimbeutel“ und lüge. „Es war mir eine große Ehre, James Comey zu feuern.“ Das lag in Trumps Macht, bescherte ihm aber die Einsetzung von Sonderermittler Robert Mueller.

Jagd auf den Mob

Nicht verhindern kann Trump dagegen das Erscheinen des Buchs und der PR-Kampagne des Verlags, die mit dem ABC-Interview den Startschuss für vier Wochen Comey auf allen Kanälen gab. Mit bemerkenswerter Disziplin wiederholt der 57-jährige Zweimeter-Mann seine Warnung vor einem Präsidenten, der ihn an seine frühen Tage als Strafverfolger erinnert, in denen er Jagd auf den Mob machte. Er sagt es, er schreibt es. Der Präsident führe seine Regierung im Stil der Mafia. „Der Boss hat absolute Kontrolle. Die Treueschwüre. Die Wir-gegen-sie-Weltsicht. Das Lügen über alle Dinge, groß und klein, im Dienst eines Loyalitäts-Kodexes, der die Organisation über die Moral und die Wahrheit stellt.“

In „Größer als das Amt“ schildert Comey detailliert, wie Trump versuchte, seine Loyalität zu erkaufen. Von dem denkwürdigen Abendessen kurz nach Amtsübernahme am 27. Januar bis hin zu der Vieraugen-Begegnung am Valentinstag im Oval Office. Comey weigerte sich, dem Präsidenten Ergebenheit zu schwören, weil er sich „einer höheren Loyalität“ verpflichtet fühlte.

Irritiert hält Comey fest, wie ihn Trump ein ums andere Mal bedrängt habe, die Ermittlungen in der Russland-Affäre zum Abschluss zu bringen. Kurz nachdem er sich weigerte, die Untersuchungen gegen den wegen seiner Moskau-Kontakte nicht mehr haltbar gewordenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen, feuerte ihn Trump. Stephanopoulos hakt in seinem Interview an dieser Stelle nach. Hat Russland etwas gegen Trump in der Hand? „Bei jedem anderen Präsidenten, mit dem ich zu tun hatte, wäre ich in der Lage gewesen, es mit fester Überzeugung zu sagen, aber ich kann es nicht. Es ist möglich.“

Comey hält für seine Landsleute eine Warnung bereit. „Was passiert, ist nicht normal“, schreibt Comey. „Wir durchleben gefährliche Zeiten in unserem Land. Fakten werden bestritten, fundamentale Wahrheiten infrage gestellt, Lügen normalisiert, und unethisches Verhalten wird ignoriert.“