Politik

Ex-Mannheimer Bekir Alboga tritt für Erdogans AKP an

Archivartikel

Mannheim.

Der frühere Mannheimer und ehemalige Generalsekretär der türkischen Religionsbehörde Ditib, Bekir Alboga, tritt am 24. Juni bei der vorgezogenen Parlamentswahl in der Türkei an. Der 55-Jährige hat sich für die AKP in der Provinz Konya in Zentralanatolien aufstellen lassen. Die AKP ist die Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Alboga bestätigte auf Anfrage des „Mannheimer Morgen“ seine Kandidatur, worüber zuvor die Online-Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (ksta.de) berichtet hatte. Weitere Angaben wollte er auf Nachfrage nicht machen. Alboga war 1980 nach Deutschland gekommen und in Mannheim mehrere Jahre Vorsteher der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee im Stadtteil Jungbusch und Generalsekretär in Deutschland für die Ditib. Auch war der Vater von drei Kindern mehrfach Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime. Im Jahr 2013 erwarb der studierte Islamwissenschaftler neben der türkischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die AKP, für die Alboga nun antritt, erreichte bei der vorigen Parlamentswahl im November 2015 in der Provinz Konya 73,9 Prozent. Auch bei den Abstimmungen vorher kam die Partei von Präsident Erdogan immer auf weit mehr als 50 Prozent. Die als konservativ geltende, flächenmäßig größte türkische Provinz ist eine AKP-Hochburg und stellt aktuell 14 von 550 Abgeordneten im türkischen Parlament.

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zitiert eine Ditib-Vorstandssprecherin zu Albogas Kandidatur mit den Worten, es handele sich um eine persönliche Entscheidung ohne Bezug zum Verband. Die Ditib sei eine überparteiliche Organisation, damit politisch neutral, und verstehe sich laut Satzung als religiöser und sozialer Dienstleister in und für Deutschland. Alboga soll für die Zeit der Kandidatur seine Ämter bei der Ditib niederlegen. Zurzeit ist er laut der Zeitung in der Kölner Ditib-Zentrale für soziale Dienste zuständig, nachdem er im Dezember vorigen Jahres eine Wiederwahl in den Vorstand der Organisation verfehlt habe.

Die nordrheinwestfälische Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), sprach in der Kölner Zeitung von einem „Versorgungsposten“ für Alboga. Der Grünen-Politiker Volker Beck, ein erklärter Kritiker der Ditib, wird dort mit den Worten zitiert, nun zeige sich, dass das Bekenntnis des Verbands zu Deutschland und zur Demokratie für Alboga in Wahrheit „taktische Manövriermasse“ sei. „Lange Jahre das freundliche Gesicht der Ditib und immer Deutschland zugewandt, gilt für Herrn Alboga am Ende »Erdogan first«.

Die Ditib gilt als größter islamischer Verband in Deutschland. Er vertritt nach eigenen Angaben mehr als 900 formell selbstständige Mitgliedsvereine und wird vom türkischen Religionsministerium mitfinanziert. Kritiker werfen dem Verband vor, verlängerter Arm der türkischen Regierung zu sein und durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration der Türken in Deutschland zu behindern. Nordrhein-Westfalen beendete unter SPD-Innenminister Ralf Jäger die Kooperation mit der Ditib im Herbst 2016 wegen mangelnder Distanz zur Regierung in der Türkei.

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