Politik

Falsch gezählt

Bis heute hallt in Deutschland die Volkszählung 1987 nach, der jahrelange Proteste und ein legendäres Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die informationelle Selbstbestimmung vorausgingen. Weil die Vollerhebung in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht akzeptiert war, galt der Boykott durch Falschangaben als schick. Die mit Ergebnisse waren deshalb nur mit Vorsicht zu genießen.

Der Aufruhr führte dazu, dass in Deutschland erst 2011 – und da unter dem Druck der Europäischen Union – wieder gezählt wurde. Zwischenzeitlich wusste die Nation über die Zahl der Kühe und Hühner genauer Bescheid als über ihre Einwohnerschaft. Dann zweifelten vor allem die Städte die erhobenen Daten an, die ihre Einwohnerzahl nach unten korrigieren und in der Folge sinkende Zuweisungen verkraften mussten. Entsprechend wenig Protest kam aus kleineren Gemeinden, die auf dem Papier ihre Bürgerschaft oft vergrößern konnten und mehr Geld bekamen.

Das gewählte Verfahren blieb für Gewinner wie Verlierer undurchsichtig. Unter der Hand räumen kommunale Experten ein, dass die Verfassungsklage schlecht vorbereitet und die Niederlage vor Gericht die Quittung war. Nun müssen die Städte die bitteren Folgen zähneknirschend akzeptieren. Eine Alternative haben sie bisher nicht. Verbesserungen können sie nur durch Änderungen beim nächsten Zensus für sich erreichen.

Das ist hoffentlich die letzte Volkszählung nach überkommenem Muster, weil danach das komplette Registerwesen auf eine einheitliche nationale Basis gestellt wird. Andere Länder wie Österreich haben das längst. Auch hier zeigt sich, dass Deutschland bei der Digitalisierung weit hinterherhinkt.