Politik

Fast die Hälfte zweifelt an Wirksamkeit des Teil-Lockdowns

Archivartikel

Nur eine knappe Mehrheit der Deutschen geht laut einer Umfrage davon aus, dass der Teil-Lockdown im November den Anstieg der Corona-Infektionszahlen wirksam begrenzt. Die wichtigsten Themen im Überblick.

Die wichtigsten Themen in Deutschland

Das Coronavirus bestimmt auch im November die Liste der wichtigsten Probleme. 80% aller Befragten nennen dieses Thema bei der Frage, auf die ohne Vorgaben bis zu zwei Antworten möglich sind. Für 13% der Befragten steht Umwelt/Klimaschutz/Energiewende ganz oben, für 12% Flüchtlinge/Ausländer/Integration. Mit 8% aller Nennungen folgt die Wirtschaftslage, mit 6% Rechte/AfD und mit 5% Themen die unter Politik(er)verdruss zusammengefasst werden können. Für jeweils 4% sind Bildung/Schule, der Zusammenhalt in der Gesellschaft, Rente/Alterssicherung oder USA/Wahlausgang/Trump die wichtigsten Probleme.

Coronavirus: Gesundheitsgefährdung

56% aller Befragten sehen die eigene Gesundheit aufgrund des Coronavirus als gefährdet an (Okt-I: 51%; Okt-II: 56%), 42% tun dies nicht (Okt-I: 48%; Okt-II: 43%). Am wenigsten sorgen sich die 30- bis 39-Jährigen um ihre Gesundheit (44%), am meisten die 60- bis 69-Jährigen (67%). 

Beurteilung der Corona-Maßnahmen

Von 58% aller Befragten werden die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen als richtig eingeschätzt (Okt-I: 64%; Okt-II: 54%). Ein Viertel fordert härtere Regelungen (26%; Okt-I: 23%; Okt-II: 30%) und wie schon vor drei Wochen sind auch aktuell 14% (Okt-I: 12%; Okt-II: 14%) der Meinung, dass die Maßnahmen übertrieben sind, 2% (Okt-I: 1%; Okt-II: 2%) äußern sich mit „weiß nicht“. In allen Parteianhängerschaften, außer bei der AfD, beurteilt jeweils eine Mehrheit die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen als verhältnismäßig, dagegen sind sie für mehr als die Hälfte der AfD-Anhänger (56%) übertrieben.

Corona-Maßnahmen: Begrenzung der Infektionszahlen

Dass es mit den seit 2. November geltenden Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Schließung von Restaurants und kulturellen Einrichtungen, gelingen wird, die ansteigenden Infektionszahlen wirksam zu begrenzen, glaubt eine Mehrheit von 55%, 43% glauben das nicht (weiß nicht: 2%). Skeptisch sind mehrheitlich die AfD- (71%), aber auch die FDP-Anhänger (55%).  

Wie kommen wir durch die Corona-Krise?

Leicht angestiegen im Vergleich zum Oktober ist der Anteil derjenigen, die der Meinung sind, dass wir in Deutschland in den nächsten Monaten alles in allem eher gut durch diese Krise kommen: 85% aller Befragten (Okt-II: 81%) und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften teilen diese Zuversicht, 13% tun dies nicht (Okt-II: 15%), 2% machen hier keine Angabe (Okt-II: 4%). 

Einstellung zu den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen

Die in einigen Städten stattfindenden Proteste und Demonstrationen gegen die erlassenen Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern finden lediglich 12% der Befragten gut (Sep: 14%), bei der deutlichen Mehrheit von 87% (Sep: 83%) stoßen diese auf Ablehnung (weiß nicht: 3%; Sep: 3%). Lediglich in der AfD-Anhängerschaft befürwortet eine Mehrheit (54%) die Anti-Corona-Proteste, in allen anderen Parteianhängerschaften sind dies Minderheiten (CDU/CSU: 5%; SPD: 7%; FDP: 18%; Linke: 15%; Grüne: 3%). 

Auflösung von Demonstrationen bei Nichteinhalten der Corona-Auflagen?

Wenn sich wie am letzten Sonntag in Leipzig die Teilnehmer von Demonstrationen nicht an die Corona-Auflagen wie die Maskenpflicht oder den Mindestabstand halten, sollen diese umgehend durch die Polizei aufgelöst werden. Diese Meinung teilen 87% der Wahlberechtigten, 10% sind dann gegen eine Auflösung und 3% machen keine Angabe. Während sich auch hier Mehrheiten in den Anhängerschaften von CDU/CSU (94%), SPD (98%), FDP (75%), Linke (90%) und Grünen (88%) für ein sofortiges Ende der Demos bei Verstoß gegen die Auflagen aussprechen, ist dies bei den AfD-Anhängern nur eine Minderheit (43%).  

Corona-Krise: Persönliche Belastung

Aktuell geben knapp die Hälfte der Befragten (46%; Apr-I: 39%) an, dass die Corona-Krise sie persönlich sehr stark (12%; Apr-I: 11%) oder stark belastet (35%; Apr-I: 28%). 43% belastet die Situation nicht so stark (Apr-I: 46%) und 10% überhaupt nicht (Apr-I: 14%).

Auswirkungen der Corona-Krise auf die eigene finanzielle Lage

Neun von zehn Befragten (91%) haben durch die Corona-Krise kaum oder gar keine finanziellen Einbußen, lediglich 8% der Deutschen geben an, dass sich durch die Krise ihre wirtschaftliche Situation (sehr) stark verschlechtert hat.

Allgemeine und eigene wirtschaftliche Lage

38% der Befragten bewerten die wirtschaftliche Lage in Deutschland derzeit als gut (Sep: 36%; Okt-I: 32%), für 47% ist sie teils gut, teils schlecht (Sep: 50%; Okt-I: 55%) und 14% sind der Ansicht, dass wir uns in einer schlechten ökonomischen Situation befinden (Sep: 13%; Okt-I: 12%). 

Die Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung fällt nach wie vor eher gedämpft aus: 15% der Befragten meinen, dass es bei uns aktuell ökonomisch aufwärts geht (Sep: 24%; Okt-I: 17%), knapp ein Drittel (31%) sieht in wirtschaftlicher Hinsicht keine größeren Veränderungen (Sep: 27%; Okt-I: 31%) und eine Mehrheit von 52% befürchtet, dass die Konjunkturkurve eher abwärts verläuft (Sep: 47%; Okt-I: 49%).

Sehr stabil und positiv fällt nach wie vor die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation aus: 69% der Befragten geben an, dass es ihnen finanziell gut geht (Sep: 68%; Okt-I: 66%), 25% beschreiben ihre persönliche Lage als teils gut, teils schlecht (Sep: 25%; Okt-I: 29%) und 6% geht es nach eigenen Angaben wirtschaftlich schlecht (Sep: 7%; Okt-I: 5%).

Darüber hinaus rechnen 17% in einem Jahr mit einer Verbesserung ihrer persönlichen finanziellen Lage (Sep: 17%; Okt-I: 16%), die meisten (68%) erwarten keine großen Veränderungen (Sep: 68%; Okt-I: 71%), 14% befürchten eine Verschlechterung ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Situation (Sep: 13%; Okt-I: 12%).

Wirtschafts- und Arbeitsmarktkompetenz

Eine Mehrheit der Deutschen (55%) vertraut in Wirtschaftsfragen am ehesten der CDU/CSU (Sep: 51%; Okt-I: 51%), 9% sehen hier die SPD (Sep: 10%; Okt-I: 9%) am besten aufgestellt. 17% trauen keiner Partei die Lösung der Wirtschaftsprobleme zu (Sep: 16%; Okt-I: 15%) und 11% können oder wollen dazu keine Aussage treffen (Sep: 16%; Okt-I: 16%). 

Auch in Sachen Arbeitsmarkt hat die Union einen Kompetenzvorsprung, wenn auch weniger deutlich: Für 40% ist die Union (Mrz-I: 31%; Jul-I: 43%) am ehesten in der Lage neue Arbeitsplätze zu schaffen. Für 18% macht die SPD eine bessere Arbeitsmarktpolitik (Mrz-I: 16%; Jul-I: 18%), für 8% die Grünen (Mrz-I: 10%; Jul-I: 6%). 10% sind der Meinung, dass keine Partei für neue Arbeitsplätze sorgen kann (Mrz-I: 12%; Jul-I: 12%) und 17% äußern sich dazu nicht explizit (Mrz-I: 23%; Jul-I: 15%).   (S. 20)

Nach der US-Präsidentschaftswahl:

Wird Joe Biden seine Arbeit gut machen?

Neun von zehn Wahlberechtigten in Deutschland (90%) und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften sind der Meinung, dass Joe Biden seine Sache als US-Präsident eher gut machen wird, lediglich 4% gehen vom Gegenteil aus (weiß nicht: 6%). 

Veränderungen der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Dementsprechend sind 85% der Ansicht, dass sich mit Joe Biden als neuem Präsidenten die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA verbessern werden, 13% glauben, es wird sich am deutsch-amerikanischem Verhältnis nicht viel ändern, niemand glaubt, dass es sich verschlechtern wird, 2% machen keine Angabe.

Reibungsloser Übergang von Donald Trump zu Joe Biden?

Allerdings glauben 71% der Deutschen und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften, dass es in der Zeit bis zum Amtsantritt Joe Bidens am 20. Januar 2021 in den USA zu Unruhen kommen wird, 25% erwarten keine Unruhen, 4% sagen „weiß nicht“.

Sicherheit Europas: Soll die EU unabhängiger werden?

Wenn es um die Sicherheit Europas geht, sprechen sich drei Viertel  der Befragten (75%) für eine stärkere Unabhängigkeit der Europäischen Union von den USA aus, 20% sehen dies nicht als notwendig an (weiß nicht: 5%).

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