Politik

Studie Baden-Württemberg und Hessen sind im Ländervergleich die Schlusslichter

Fast jede dritte Klinik macht Minus

Essen/Mannheim.Die deutschen Kliniken stehen unter anhaltend hohem Kostendruck. Fast jede dritte schrieb 2015 rote Zahlen. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2017 hervor. Darin haben Wissenschaftler des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen Zahlen über insgesamt 877 Krankenhäuser ausgewertet. Dabei schneiden die ostdeutschen tendenziell besser ab als die westdeutschen. Schlusslichter im Ländervergleich sind Baden-Württemberg und Hessen.

Der Studie zufolge gibt es in einigen Regionen schlicht zu viele Kliniken. Vor allem kleinere täten gut daran, sich zu spezialisieren. Allerdings wurden auch Fortschritte festgestellt. So habe der Kostendruck viele Krankenhäuser dazu gebracht, ihre Strukturen zu verbessern. Dies werde sich mittel- und langfristig positiv auswirken. Um diesen Prozess zu unterstützen, regen die Autoren weitere Mittel von Bund und Ländern an. Auffällig sei, dass "Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft signifikant besser abschneiden als öffentlich-rechtliche".

Region überdurchschnittlich

In den Report flossen nicht nur wirtschaftliche Daten ein, sondern auch Zahlen über Patientenzufriedenheit, wie sie etwa die Techniker Krankenkasse vor Jahren erhoben hat. Aus alledem haben die Essener Wissenschaftler zusammen mit Kollegen anderer Institute spezielle Formeln abgeleitet, mit denen sie die Situation einer Klinik berechnen.

Aussagen über einzelne Krankenhäuser sind den Autoren der Studie leider nicht zu entlocken. Würde eine Klinik als der Pleite besonders nahe eingestuft, wäre dies geschäftsschädigend und hätte mit einiger Sicherheit rechtliche Konsequenzen. Über die Metropolregion ist auf Nachfrage nur in Erfahrung zu bringen, dass es den Kliniken hier besser geht als im Durchschnitt der drei Länder im Rhein-Neckar-Raum.

In Zahlen ausgedrückt: Die Ausfallwahrscheinlichkeit - also die Wahrscheinlichkeit, einen Kredit nicht mehr bedienen zu können - liegt in Baden-Württemberg bei 1,89, in Hessen bei 1,87 und in Rheinland-Pfalz (gemeinsam bewertet mit dem Saarland) bei 0,96 Prozent. Da der Schnitt 1,57 beträgt, muss die Ausfallwahrscheinlichkeit in der Region niedriger sein.

Beim Jahresergebnis nach Steuern ist das Gefälle noch größer. Da schlossen baden-württembergische Kliniken 2015 mit einem durchschnittlichen Minus von 0,3 Prozent ab. Rheinland-Pfalz und das Saarland verzeichneten dagegen ein gemeinsames Plus von 0,8 Prozent, Hessen erreichte sogar 2,2. Unterm Strich ergibt sich für die Region ein Plus von mindestens 0,9 Prozent.