Politik

AfD Vorsitzender Meuthen hält „Flügel“-Debatte für beigelegt

„Feuer ist bereits unter Kontrolle“

Archivartikel

Berlin.Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen (Bild) schätzt, dass knapp jedes fünfte Mitglied seiner Partei dem rechtsnationalen „Flügel“ von Björn Höcke zugerechnet werden kann. „Diejenigen, die sich explizit dem ,Flügel’ zugehörig fühlen, das sind wahrscheinlich nicht einmal 20 Prozent der Mitglieder“, sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Stark sei der „Flügel“ vor allem in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, sagte Meuthen. Im Westen sei die Anhängerschaft generell kleiner, „aber da wäre Baden-Württemberg wohl vorne“. Die Strömung war 2015 vom Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke gegründet worden. Zu ihren prägenden Persönlichkeiten zählen zudem der Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz und der Landtagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider. Der Verfassungsschutz stuft den „Flügel“ als Verdachtsfall für rechtsextremistische Bestrebungen ein.

Protest wegen Höcke

Nach einem Treffen des „Flügels“ am 6. Juli schlugen die Wogen in der Partei hoch. Mehr als 100 Funktionäre und Mandatsträger der AfD veröffentlichten einen Appell, in dem sie den „exzessiv zur Schau gestellten Personenkult um Björn Höcke“ monierten sowie Höckes „spaltende Kritik am Bundesvorstand und den Schiedsgerichten der AfD“. Meuthen gehört zwar nicht zu den Unterzeichnern, hat sich aber mit dem Anliegen der Initiatoren solidarisiert.

Um den Streit aufzuarbeiten, war ursprünglich für diesen Donnerstag eine Sondersitzung des Parteivorstandes angesetzt. Dass darauf nun verzichtet wird, findet Meuthen richtig. Er sagte: „Die Situation hat sich durch innerparteiliche Gespräche schon entspannt – das Feuer ist bereits unter Kontrolle.“ Damit spielte er auf eine knappe Erklärung an, die Kalbitz und Höcke am 16. Juli verbreiteten. Darin heißt es, „unbenommen sparsamer sachlicher Kritik“ stehe der „Flügel“ hinter dem amtierenden Bundesvorstand und seinen beiden Vorsitzenden.

Meuthen will auf einem Parteitag Ende November erneut für den Parteivorsitz kandidieren. Dass ihm das wegen der Parteispenden-Affäre misslingen könnte, glaubt er nicht, er spricht von einer „Unachtsamkeit“. Meuthen hat 2016 im baden-württembergischen Landtagswahlkampf von der Schweizer Werbeagentur Goal AG Unterstützungsleistungen im Gegenwert von 89 800 Euro erhalten. dpa (Bild: dpa)

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