Politik

Kultusministerkonferenz Länder beraten über Vorgehen in Bildungseinrichtungen / Bouffier gegen deutschlandweite Verordnung

Flächendeckende Schulschließungen?

Archivartikel

Berlin/Stuttgart/Wiesbaden.Die Kultusministerkonferenz (KMK) schließt wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus eine flächendeckende Schließung von Schulen in ganz Deutschland oder in einzelnen Regionen nicht aus. Das sagte die Vorsitzende, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), am Donnerstag nach Beratungen mit ihren Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Bundesländern in Berlin.

Die Kultusminister rechneten mit weiteren Weichenstellungen am Donnerstagabend. „Wir sind heute Abend vielleicht schon ein Stück schlauer“, sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) in Berlin mit Blick auf Gespräche der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Robert-Koch-Institut (RKI) im Kanzleramt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuvor auf die Zuständigkeit der Bundesländer verwiesen und gleichzeitig nicht ausgeschlossen, dass Bayern generelle Schulschließungen verfügen könnte: „Wir wollen eine gute Koordinierung der Länder erreichen, mit dem Bund. (...) Dabei bleibt aber natürlich den Ländern vorbehalten, ihre Entscheidungen auf Grund ihrer Situation zu treffen“, sagte er nach einem Treffen mit seinen Länderkollegen in Berlin. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine flächendeckende Schließung von Schulen aus: „Es ist nicht einfach die Frage: Wir machen alles dicht und dann ist das Problem gelöst“, sagte sie.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lehnt deutschlandweite Schließungen von Schulen und Kindergärten zur Eindämmung des Coronavirus ab. „Ein Punkt ist doch: Wenn Kindergärten und Grundschulen schließen, wo kommen die Kinder dann hin? Zu Oma und Opa, zu genau der Gruppe, die am höchsten gefährdet ist“, sagte er der „Bild“-Zeitung am Donnerstag. Wer flächendeckend alles zumache, müsse auch eine Idee haben, wie es weitergehe. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hält wegen des Coronavirus flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas für möglich. „Seit Tagen beobachten und bewerten wir die Entwicklung des Coronavirus in Baden-Württemberg in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden sehr genau. Durch die dynamische Lageentwicklung können flächendeckende Schul- und Kitaschließungen in Baden-Württemberg nicht mehr ausgeschlossen werden“, sagte Eisenmann dieser Redaktion.

Bei der Ausgestaltung und Dauer der Schließungen müssten aber auch die wirtschaftlichen Auswirkungen im Blick behalten werden. An diesem Freitag soll darüber entschieden werden. dpa/mis

Zum Thema