Politik

Untersuchung Deutscher Gewerkschaftsbund verlangt Tarifverträge für Beschäftigte in Verkauf, Reinigung, Pflege und Erziehung

Frauen sind schlechter dran

Archivartikel

Berlin.Seit der Corona-Pandemie gelten Verkäuferinnen, Reinigungskräfte sowie Pfleger und Erzieher als „systemrelevant“. Nach einer noch unveröffentlichten Untersuchung im Rahmen des DGB-Index „Gute Arbeit“ schneiden jedoch gerade diese Berufsgruppen bei der Entlohnung und den Arbeitsbedingungen schlecht ab. Betroffen sind in erster Linie Frauen.

Den Gewerkschaftsdaten zufolge liegt der Anteil der weiblichen Beschäftigten in Verkaufs-, Reinigungs-, Pflege- und Erziehungsberufen bei jeweils mehr als 80 Prozent. Ein wesentlicher Teil ihrer systemrelevanten Arbeit werde im Niedriglohnsektor erbracht, heißt es in der Analyse, die auf einer repräsentativen Befragung von 28 500 Arbeitnehmern beruht, darunter knapp 4600 in den vier genannten Berufen.

So geben 58 Prozent der Beschäftigten im Verkaufsbereich an, dass ihr Einkommen nicht oder gerade so ausreicht, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. In den Reinigungsberufen sagen das sogar 78 Prozent. Bei den Pflege- und Erziehungsberufen sind es 53 beziehungsweise 50 Prozent. Zum Vergleich: Bezogen auf alle Berufsgruppen kommen nur 38 Prozent zu diesem Befund.

Weiteres Manko: Die Beschäftigungsverhältnisse in den vier gesondert betrachteten Berufsgruppen sind überdurchschnittlich durch Befristung, Teilzeit sowie Leiharbeit gekennzeichnet. Allein im Reinigungsgewerbe kommt mehr als ein Drittel des Personals auf eine wöchentliche Arbeitszeit von weniger als 20 Stunden. Dieser Anteil liegt damit viermal so hoch wie im Durchschnitt aller Berufsgruppen. Auffällig für die Reinigungsberufe ist auch die besonders starke Verbreitung von Leiharbeit. Während ihr Anteil unter allen Beschäftigten nur zwei Prozent ausmacht, sind unter den Reinigungskräften sieben Prozent in Leiharbeitsunternehmen angestellt.

Belastung durch Schichtarbeit

In manchen frauendominierten Berufsgruppen ist obendrein Schichtarbeit die Regel. Während insgesamt nur etwa jeder sechste Erwerbstätige entsprechende Arbeitszeiten hat, sind es bei den Pflege- und Verkaufsberufen fast zwei Drittel beziehungsweise mehr als ein Drittel. Gerade Schichtarbeiter würden eine höhere Anfälligkeit für Herz-Kreislauf -Erkrankungen aufweisen, heißt es in der Studie.

Nahezu drei Viertel der Beschäftigten in Pflegeberufen arbeiten darüber hinaus „sehr häufig“ oder „oft“ am Wochenende. In den Verkaufsberufen sind es gut zwei Drittel. Auch der Zeitdruck ist zum Teil überdurchschnittlich ausgeprägt. Während sich 53 Prozent aller Beschäftigten häufig „gehetzt“ fühlen, sind es in den Pflegeberufen 74 Prozent. Mehr als zwei Drittel der Pflegerinnen und Pfleger (70 Prozent) können sich auch nicht vorstellen, bis zur Rente durchzuhalten. In den Erziehungsberufen sind es 52 Prozent des Personals, in der Reinigungs- und Verkaufsbranche 40 beziehungsweise 39 Prozent.

„Zu Beginn der Krise wurde für diese Beschäftigten noch geklatscht“, sagte DGB-Vize Elke Hannack dieser Redaktion. Manche von ihnen sollten nun einen Krisenzuschlag bekommen. „Uns reicht das nicht. Wir wollen, dass diese Berufe generell besser bezahlt werden“, betonte Hannack. Am besten gehe das mit Tarifverträgen.

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