Politik

Bildungsvergleich II Stuttgart setzt auf vorschulische Konzepte / Wirtschaft warnt vor Selbstzufriedenheit / Verbände fordern mehr Lehrer

Frühe Sprachförderung als Schlüssel

Stuttgart.Während die Lehrerverbände als Konsequenz aus den Pisa-Ergebnissen zusätzliche Stellen fordern, setzt die grün-schwarze Regierung in Baden-Württemberg auf die frühkindliche Sprachförderung, um die Schülerleistungen insgesamt zu verbessern. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vertritt die Ansicht, die Pisa-Ergebnisse für Deutschland seien in etwa gleich geblieben. Die Defizite in der Lesekompetenz sei „längst erkannt“. Kretschmann: „Wir müssen die eingeleiteten Reformen umsetzen.“

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verweist ebenfalls auf das überdurchschnittliche Abschneiden der deutschen Schüler. Den Schulen gelinge es, trotz der wachsenden Heterogenität in den Klassen weiterhin gute Ergebnisse zu erzielen. Die Deutschkenntnisse seien entscheidend für den Erfolg von Kindern aus Zuwandererfamilien. Eisenmann: „Es kommt mehr denn je auf eine konsequente Sprachförderung von Anfang an.“ In den Schulen seien dann gezielte Fördermaßnahmen für schwache Schüler die zentrale Herausforderung. Deshalb gebe es mehr Stunden für Mathe und Deutsch an den Grundschulen und mehr Poolstunden für die Realschulen.

„Herkulesaufgabe Digitalisierung“

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), der hessische Minister Alexander Lorz (CDU), sagte: Das deutsche Bildungssystem sei nicht so schlecht, wie es manchmal geredet werde. „Aber es ist auch nicht so gut, wie wir es gerne hätten.“

Der Arbeitgeberverband Baden-Württemberg fordert zusätzliche Anstrengungen zur Verbesserung der Schulqualität. „Mit den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie dürfen wir uns nicht zufriedengeben“, betont Verbandsgeschäftsführer Thomas Küpper. Die Wirtschaft sei auf gut ausgebildete Schüler angewiesen, „wenn die Herkulesaufgabe der digitalen Transformation gelingen soll“. Notwendig sei ein verlässliches Ganztagsangebot, um den noch immer zu engen Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft zu lockern.

Die Lehrergewerkschaft GEW fordert zusätzliche Investitionen. „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie mehr Studienplätze für Lehrkräfte schafft und als ersten Schritt den 2500 Grundschulen zusätzliche Förderstunden gibt“, erklärt die baden-württembergische Landeschefin Doro Moritz. Wer Bildung besser machen wolle, müsse mehr investieren.

Der Verband Bildung und Erziehung fordert ebenfalls stärkere Anstrengungen von der Politik, um die Bildungschancen aller Schüler zu erhöhen. Landesvorsitzender Gerhard Brand nennt es „alarmierend, dass in Deutschland jeder fünfte der getesteten 15-Jährigen nur auf Grundschulniveau lesen kann und sich die Schere zwischen starken und schwachen Schülern weiter öffnet“.

Dagegen warnt Regierungschef Kretschmann vor Dramatisierungen: „Es besteht die Gefahr, dass jeder unabhängig von den Ergebnissen das sagt, was er schon immer mal sagen wollte.“

Grünen-Chef Robert Habeck bemängelte, dass Deutschland über die letzten Jahre „unterdurchschnittlich wenig“ für Bildung ausgegeben habe. „Das rächt sich jetzt.“ Jan Korte, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion, sagte, am schlechtesten habe im Pisa-Test die Bundesregierung abgeschnitten. (mit dpa)

Infografik: Deutsche Schüler im oberen Mittelfeld | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

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