Politik

Bayern In der CSU tobt ein Machtkampf – der je nach Wahlergebnis wohl Opfer fordert

Für Seehofer geht es um alles

Berlin.Es ist eine Situation, wie Horst Seehofer sie mitunter mag. Dann macht sich der 1,93 Meter große CSU-Chef und Innenminister noch größer. Er steckt eine Hand in die Hosentasche, lächelt süffisant und beginnt zu plaudern. Am Dienstag steht Seehofer in der Unionsfraktion und hält Hof vor Beginn der Sitzung. Er ist umringt von Journalisten, ihre Nähe hat er gesucht. Dabei ist sein Verhältnis zur Hauptstadtpresse reichlich ambivalent. Will Seehofer Botschaften loswerden, geht er auf Tuchfühlung. Fühlt er sich ungerecht behandelt, was oft der Fall ist, seit er Minister für Inneres, Heimat und Bauen in Berlin ist, grantelt er mit finsterer Miene.

Sieben Monate ist sein Wechsel nach Berlin nun her. Sieben Monate, in denen Seehofer die schwarz-rote Koalition zwei Mal bis an den Rand des Bruchs getrieben hat. In denen er irgendwie nie den richtigen Ton fand. Nun steht er vor einer seiner schwersten Schlachten, an deren Ende alles vorbei sein könnte.

Sündenbock gesucht

Sie beginnt am Sonntag, 18 Uhr, wenn die ersten Prognosen zum Ausgang der Landtagswahl in Bayern über die Bildschirme flimmern. Kommt es zum Verlust der absoluten Mehrheit für die CSU, sogar zum Absturz auf weniger als 35 Prozent, soll nach dem Willen vieler „Parteifreunde“ Seehofer zum Hauptschuldigen gemacht werden. Die Anklage lautet: Seine ständigen Störfeuer hätten den Wahlkampf überlagert.

Viele in der CSU unterstellen dem 69-Jährigen Absicht. Er nehme die Talfahrt in Kauf, um seinem verhassten Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, Markus Söder (51), zu schaden. Söder hat Seehofer aus der Staatskanzlei gedrängt, ihm aber (noch) nicht das Amt des Parteivorsitzenden genommen.

Nun heißt es, Seehofer, der keinesfalls freiwillig gehen will, könne per Vorstandsbeschluss am Montag von Koalitionsverhandlungen ausgeschlossen werden. Das wäre seine Entlassungsurkunde. Rückhalt hat er wohl keinen mehr.

Nun ist der Ingolstädter allerdings auch ein Meister der Winkelzüge. Er kennt das politische Geschäft wie kein Zweiter. Überbordendes Selbstbewusstsein ist eine seiner markantesten Eigenschaften. Deswegen glaubt mancher, Seehofer werde nach einem Wahldesaster versuchen, Söder zumindest mit in den Abgrund zu reißen. Zuzutrauen ist ihm das.