Politik

SPD Auch Mitglieder ohne Parteibuch sollen über Vorsitz abstimmen dürfen

Gabriel regt Vorwahl an

Archivartikel

Frankfurt.Dass Andrea Nahles in der SPD-Führung nicht gerade zu seinen Freundinnen gehörte, daraus macht Sigmar Gabriel auch nach deren Rücktritt keinen Hehl. „Es ist ja kein Geheimnis, dass die Zahl der Fälle, in denen wir einer Meinung waren, überschaubar war“, sagt der ehemalige Parteivorsitzende am Mittwoch beim „Frühstücksgespräch“ der Frankfurter Volksbank. Er fügt aber gleich hinzu, seine Nach-Nachfolgerin an der Spitze sei natürlich nicht die Ursache aller Probleme der Sozialdemokratie. „Schön wär’s“, fügt der 59-Jährige hinzu, „denn dann wären sie ja jetzt gelöst, und wir müssten einfach nur noch einen neuen Parteichef oder eine neue Parteichefin wählen.“

Politiker vermisst Fröhlichkeit

Dass man auch mit ihm als Vorsitzendem nicht immer freundlich umgegangen ist, hat Gabriel nicht vergessen. Auf die Frage nach Ursache und Wirkung für die harten Attacken gegen die Parteiführung sagt er: „Sie können sich vorstellen, dass mich diese Frage nicht erst seit gestern beschäftigt.“ Einen solch „robusten Umgang“ mit der Parteispitze habe es auch schon vorher gegeben, also hat es für ihn nichts damit zu tun, dass Andrea Nahles eine Frau ist.

Die Frage, ob die Krise der SPD existenzgefährdend sei, bejaht Gabriel. Ein Patentrezept , hat er natürlich auch nicht. Wohl aber einen Vorschlag zur Kür des oder der neuen Vorsitzenden: Vorwahlen, wie sie in den USA bei der Vergabe wichtiger Posten schon lange üblich sind. Und auch bei der SPD sollten daran nicht nur Parteimitglieder beteiligt werden, sondern zudem eigens dafür registrierte Menschen, die der Partei nahestehen und für diese Anmeldung auch bereit seien, eine kleine Gebühr zu entrichten.

Nach der Einführung von Mitgliederbefragungen sei es an der Zeit für den nächsten Schritt. „So kommt eine ganz andere Dynamik in die Debatte, sie kriegen auch ganz andere Leute, die auf einmal kandidieren“, begründet der Ex-Außenminister seinen Vorschlag, der nicht nur für das Amt des Vorsitzenden gilt.

Namen nennt Gabriel nicht. Doch einen Rat hat er für die neue Frau oder den neuen Mann an der Spitze schon parat. Den Grünen habe es nicht geschadet, dass die Parteichefs auch „fröhlich sind“. Als Kind habe er den Spruch gehört: „Wer nicht lächeln kann, soll keinen Laden eröffnen.“ Das gelte auch für die Politik, betont er. Keine Lösung sei jedenfalls das „Jakobinertum“ in der Partei: Dass man bei bestimmten Äußerungen vor den „Wohlfahrtsausschuss“ zitiert werde, der in der Französischen Revolution dann meist die Guillotine als Strafe verhängt hatte.

Eigene Ambitionen hat Gabriel nicht mehr. Er werde der SPD treu bleiben und ihr weiter helfen. „Aber es ist nicht so, dass ich dauernd in Trauer wäre, weil ich kein Amt mehr habe“, sagt er. Und umgarnt die Gastgeberin des Podiumsgesprächs: „Ich bin in meiner niedersächsischen Heimat seit Jahrzehnten bei der Volksbank, schon weil das der einzige Ort in Deutschland ist, wo man in Ruhe Genosse sein kann.“