Politik

Unruhen „Vierter Akt“ der Demonstrationen in Frankreich

Gepanzerte Fahrzeuge stehen bereit

Paris.Mit großer Sorge blicken viele Bürger und die französische Regierung auf den „vierten Akt“, den die Protestbewegung der „Gelbwesten“ angekündigt hat. „Die drei letzten Wochen haben ein Monster hervorgebracht, das seinen Erschaffern entkommen ist“, sagte Innenminister Christophe Castaner mit Blick auf die „Gelbwesten“, die Mitte November mit Straßenblockaden ihren Protest gegen steigende Spritpreise und hohe Lebenshaltungskosten begannen.

In Paris würden nur ein paar tausend Demonstranten erwartet, so Castaner, aber eine Minderheit sei „extrem gewaltbereit“. Darauf antworte man mit einem außerordentlichen Aufgebot an Polizisten und Gendarmen. Landesweit kommen 89 000 Sicherheitskräfte zum Einsatz, davon 8000 in der Hauptstadt. Erstmals werden gepanzerte Gendarmerie-Fahrzeuge bereitgestellt, die Barrikaden zerstören können.

Ausweitung der Proteste

Läden im Umfeld der Champs-Élysées sollen heute nicht öffnen. Auch der Eiffelturm, mehrere Opern- und Theaterhäuser sowie rund ein Dutzend Pariser Museen vom Louvre bis zum Grand Palais bleiben geschlossen. Einige Fußballspiele der Ligue 1 werden verschoben, doch ein „Marsch für das Klima“ soll stattfinden – gerade weil auf Druck der „Gelbwesten“ die für Januar geplante Erhöhung der Ökosteuer auf Benzin und Diesel abgesagt wurde.

Eine deutliche Mehrheit der Franzosen unterstützt die Widerstandsbewegung, die eine große Wut auf Präsident Emmanuel Macron ausdrückt. Er wird sich erst Anfang nächster Woche äußern, um „nicht noch Öl ins Feuer zu gießen“, hieß es. Inzwischen veröffentlichten die sieben größten Gewerkschaften einen Appell für Gewaltlosigkeit.

Die schwere Krise, der Macron gegenübersteht, droht sich auszuweiten. Nächste Woche demonstrieren auch Transportunternehmen sowie Landwirte, während sich die Situation in vielen Schulen zuspitzt. In einem Gymnasium in Mantes-la-Jolie westlich von Paris wurden rund 150 Jugendliche festgenommen. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer rechtfertigte das Vorgehen mit dem „Klima außergewöhnlicher Gewalt“ im Land.