Politik

Wahl Der frühere Mannheimer Bekir Alboga bewirbt sich um einen Sitz im türkischen Parlament

Gesicht der Ditib tritt für AKP an

Archivartikel

MANNHEIM.So richtig sprechen mochte Bekir Alboga nicht über seine Kandidatur bei der türkischen Parlaments -und Präsidentenwahl am 24. Juni. Das Telefonat dauerte weniger als 60 Sekunden. Es reichte gerade für eine Bestätigung seiner Kandidatur für die Erdogan-Partei AKP, worüber zuvor die Online-Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (ksta.de) berichtet hatte. Alboga bewirbt sich im Wahlkreis Konya in Zentralanatolien um einen Platz im Parlament.

Er kam 1980 nach Deutschland und ist über die Jahre in Mannheim und später in Köln das Gesicht der Ditib geworden – jener Religionsbehörde in Deutschland, die vom türkischen Religionsministerium finanziell getragen wird.

Die AKP, für die Alboga nun antritt, erreichte bei der vorigen Parlamentswahl im November 2015 im Wahlkreis Konya 73,9 Prozent. Auch bei den Abstimmungen vorher kam die Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan dort immer auf weit mehr als 50 Prozent. Die flächenmäßig größte türkische Provinz ist eine konservativ-islamische Hochburg.

AKP-Kandidat Alboga hatte im Herbst 2017 dieser Zeitung vor dem Hintergrund eines Streits zwischen Jüdischer Gemeinde und Ditib gesagt, dass „die Ditib auf allen Ebenen entschieden jegliche antisemitischen Tendenzen verurteilt – innerhalb der Gesellschaft und in den Moschee-Gemeinden gleichermaßen“.

Alle Ämter niederlegen

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zitiert eine Ditib-Vorstandssprecherin zu Albogas Kandidatur mit den Worten, es handele sich um eine persönliche Entscheidung ohne Bezug zum Verband. Die Ditib sei eine überparteiliche Organisation, damit politisch neutral, und verstehe sich laut Satzung als religiöser und sozialer Dienstleister in und für Deutschland. Alboga soll für die Zeit der Kandidatur seine Ämter bei der Ditib niederlegen. Zurzeit ist er laut der Zeitung in der Kölner Ditib-Zentrale für soziale Dienste zuständig, nachdem er im Dezember vorigen Jahres eine Wiederwahl in den Vorstand der Organisation verfehlt habe. Die nordrhein-westfälische Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), sprach in der Kölner Zeitung von einem „Versorgungsposten“ für Alboga. Der Grünen-Politiker Volker Beck, ein erklärter Kritiker der Ditib, wird dort mit den Worten zitiert, nun zeige sich, dass das Bekenntnis des Verbands zu Deutschland und zur Demokratie für Alboga in Wahrheit „taktische Manövriermasse“ sei. „Lange Jahre das freundliche Gesicht der Ditib und immer Deutschland zugewandt, gilt für Herrn Alboga am Ende doch ’Erdogan first’.“

Die Ditib gilt als größter islamischer Verband in Deutschland, vertritt nach eigenen Angaben mehr als 900 formell selbstständige Mitgliedsvereine. Kritiker sagen, Ditib sei der verlängerte Arm der türkischen Regierung und behindere durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration der Türken in Deutschland. Nordrhein-Westfalen beendete die Ditib-Kooperation im Herbst 2016 wegen mangelnder Distanz zur Türkei-Regierung. (BILD: dpa)

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