Politik

Nachruf Ehemaliger Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe stirbt mit 83 Jahren

Gesicht des Ostens

Archivartikel

Potsdam.Der erste Brandenburger Ministerpräsident nach der Wiedervereinigung, Manfred Stolpe, ist tot. Er starb in der Nacht zum Sonntag im Alter von 83 Jahren, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte: „Dies ist ein Tag tiefer Trauer. Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst.“

Stolpe wurde 1936 bei Stettin geboren und studierte nach dem Abitur in Greifswald an der Uni Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In den 1980er Jahren war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch im Westen bekannt. 1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied, trat als Spitzenkandidat an und wurde im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi, die Behörde führte ihn gar als Inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein „Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen“. 2005 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass Stolpe nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

In den 1990er Jahren war Stolpe in Brandenburg sehr beliebt – doch Vorzeigeprojekte wie der Lausitzring, der Cargolifter oder die Chipfabrik in Frankfurt/Oder liefen nicht wie erhofft. Überraschend erklärte Stolpe 2002, als Regierungschef zurücktreten zu wollen, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen. Ähnlich überraschend wurde er wenige Monate später im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder als „Gesicht des Ostens“ Verkehrsminister. 2005 trat Stolpe von der politischen Bühne ab.

Trotz einer Krebserkrankung nahm Stolpe zunächst noch viele Termine wahr und meldete sich immer wieder zu Wort. Er zog sich dann aber zunehmend zurück. dpa

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