Politik

Soziales Familienministerium lehnt Zwangsjahr entschieden ab / Bedingungen für unter 27-Jährige sollen deutlich verbessert werden

Giffey will junge Freiwillige locken

Archivartikel

Berlin.Jedes Jahr absolvieren rund 80 000 junge Leute einen Freiwilligendienst. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) findet: Es geht noch mehr – aber weiterhin freiwillig. Ihr Konzept eines Jugendfreiwilligenjahres für unter 27-Jährige soll das möglich machen. Es umfasst das Freiwillige Soziale und Freiwillige Ökologische Jahr sowie den Bundesfreiwilligendienst. Gestern stellte die Ministerin die Eckpunkte vor:

Finanzielle Ausstattung

Laut Giffey sollen sich junge Leute weniger Gedanken darum machen, ob sie sich den Dienst leisten könnten – sie sollen „wollen dürfen“. Derzeit haben die Länder unterschiedliche Finanzierungsmodelle. Das neue Konzept soll ein einheitliches „Freiwilligengeld“ für alle unter 27-Jährigen möglich machen. Es fordert, dass der Bund das Taschengeld in allen drei Diensten bis zur Obergrenze von 402 Euro monatlich übernimmt, plus Sozialversicherungsbeiträge. Bisher lag der Deckel bei 250 Euro, und das nur im Bundesfreiwilligendienst. Jeder junge Freiwillige soll zudem einen monatlichen ÖPNV-Zuschuss von 25 Euro bekommen. Ein Zertifikat nach dem Jugendfreiwilligendienst soll etwa bei Auswahlentscheidungen im öffentlichen Dienst berücksichtigt werden. Zudem will Giffey, dass es Bonus-Regelungen bei der Berechnung von Wartesemestern bringt oder hilft, dass der Dienst später als Pflichtpraktikum anerkannt wird.

Gegenmodell

Das Konzept ist ein Gegenmodell zu dem von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer vorgeschlagenen Pflichtjahr, das Giffey ablehnt. „Wir wollen, dass das, was schon gut läuft, auch tatsächlich gut wirken kann“, sagte Giffey. Die Bedingungen sollten verbessert werden, damit junge Menschen sich aus Überzeugung engagierten.

Kosten

Ihr Konzept wäre deutlich günstiger als ein Pflichtjahr, meint Giffey. Es kostete am Ende maximal eine Milliarde Euro jährlich. Ein Pflichtjahr würde nach Berechnungen des Ministeriums fünf bis zwölf Milliarden Euro kosten. 2019 stehen im Bundeshaushalt 327 Millionen Euro für alle Freiwilligendienste – 65 Millionen mehr als 2018. Damit sollen 2019 auch mehr Plätze im Freiwilligendienst entstehen: im Freiwilligen Ökologischen Jahr etwa mehr als 600, im Bundesfreiwilligendienst über 5000. Mit weiteren Verbesserungen sehen Verbände und Organisationen am Ende Potenzial für bis zu 120 000 Plätze für unter 27-Jährige – 40 000 mehr als bisher.

Umsetzung

Das Konzept soll nach dem Willen Giffeys schrittweise weiterentwickelt und umgesetzt werden. Mit den vorgelegten Bausteinen seien die Ziele formuliert. dpa