Politik

Gleich gut, gleich weit

Archivartikel

Bilder und Klischees können hartnäckig sein. Dass die Fortpflanzungsorgane von Frauen Schaden nehmen, wenn diese Leistungssport betreiben, war bis vor 40 Jahren kein Witz, sondern für Männer eine Tatsache, weshalb sie Frauen von vielen Sportarten ausschlossen (und es waren auch nur Männer, die seinerzeit die Entscheidungen in Gremien und Olympischen Komitees trafen).

Der Mythos wirkt bis heute fort, denn viele – auch Sportlehrerinnen und Sportlehrer – vertreten nach wie vor die Meinung, dass Mädchen im Sport weniger leistungsfähig sind und, zum Beispiel, nicht werfen können. Tatsächlich sind die gemessenen Wurfleistungen von Mädchen im Schnitt schlechter als die von Jungen.

Das ist aber keine Bestätigung der geringeren Leistungsfähigkeit, sondern Resultat einer Sozialisierung durch die Gesellschaft, die Jungen einen Ball in die Hand drückt und Mädchen die Ballerinas. Wissenschaftlicher Stand ist, dass Mädchen und Jungen zumindest vor der Pubertät gleich gut laufen, springen, werfen können. Wenn sie gefördert werden, und wenn nicht Klischees ihre Entwicklung behindern.

Gerade die Bundesjugendspiele als quasi halbstaatliche Veranstaltung müssten hier für Geschlechtergerechtigkeit sorgen. Warum sollten Jungen im Grundschulalter 1000 Meter laufen, Mädchen aber nur 800 Meter (laufen dürfen)? Für die Kinder lässt sich daraus nur der Schluss ziehen, dass Mädchen (also doch) das schwache Geschlecht sind und Jungen das stärkere zu sein haben. Ein Rollenverständnis, das eigentlich längst überholt schien.

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