Politik

USA Donald Trump kann die Realität einer außer Kontrolle geratenen Pandemie nicht länger leugnen

Glut und große Feuer

Washington.So kleinlaut haben die Amerikaner Donald Trump lange nicht gesehen. „Es wird wahrscheinlich, leider, schlechter, bevor es besser wird“, liest der Präsident von seinen vorbereiteten Notizen ab. Angesichts der rasanten Ausbreitung des Covid-19-Erregers im Süden und Westen der USA, mit allein 1120 Toten am Tag der Wiederaufnahme der „Corona“-Briefings, muss Trump zähneknirschend einräumen, dass die USA nicht das Verglimmen der Pandemie erleben. „Wir haben Glut und Feuer, und wir haben große Feuer, und leider befindet sich Florida in einer leicht schwierigen oder sehr schweren Lage“, nuschelte der Präsident im Presseraum des Weißen Hauses den Reportern zu.

Fallzahlen rasant gestiegen

Der Bundesstaat, in den er Anfang des Jahres seinen Privatwohnsitz verlegt hatte, liegt mit rund 78 000 Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen an der Spitze der Corona-Hotspots in den USA. Wie Wissenschaftler vorausgesagt haben, schnellen dort mit einer Zeitverzögerung von drei bis vier Wochen nach Anstieg der Infektionszahlen nun auch die Todesfallzahlen in die Höhe. Wie auch in South Carolina, Texas, Arizona und Kalifornien. Der größte US-Bundesstaat überholte am Dienstag mit insgesamt mehr als 410 000 Erkrankten New York bei der Gesamtzahl der Infektionen.

Angesichts nicht ausreichender Test-Kapazitäten und der Weigerung großer Teile der Bevölkerung in den USA, Maske zu tragen, nehmen die Fälle in 30 Bundesstaaten zum Teil rasant zu. Der Präsident selbst gehörte zu denen, die sich bis vergangene Woche weigerten, öffentlich eine Maske zu tragen.

Bei einem Besuch im Walter-Reed-Militärkrankenhaus zeigte sich Trump erstmals mit dem Mund-und-Nasen-Schutz. Anschließend verbreitete er ein Bild von sich mit dem Hinweis, dass einige Leute sagten, es sei „patriotisch“ eine Maske zu tragen, wenn sozialer Abstand nicht möglich ist. „Wenn Sie können, tragen sie eine Maske“, liest er bei seinem Briefing vom Blatt ab und tut dann so, als hätte er nicht über Monate die Schutzmaßnahme abgelehnt und sich über seinen Herausforderer Joe Biden lustig gemacht, weil dieser nur mit Maske auftritt. „Ich habe kein Problem damit“, erklärte der Präsident nun und hielt ein dunkelblaues Stück Stoff mit dem Präsidentensiegel in die Kamera.

Biden: „Er hat Land aufgegeben“

Trump kam allein zu dem Briefing, trug die Hälfte seiner Ausführungen von Notizen vor und beantwortete weniger Fragen als in der Vergangenheit. Mit genau 27 Minuten unterbot er alle 50 Corona-Unterrichtungen im März und April, die oft bis zu zwei Stunden lang dauerten. Trump bleibt dabei, dass Covid-19 einfach „verschwinden“ wird. Was erklären mag, warum er sechs Monate nach dem ersten Fall in den USA und fast vier Millionen Infektionen später weiterhin keine Strategie anbietet, die Pandemie zu bekämpfen.

Trumps Herausforderer Joe Biden interpretierte den Auftritt als Kapitulation. „Er hat dieses Land aufgegeben“, erklärte der Demokrat zum Umgang des Präsidenten mit der Corona-Krise.

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