Politik

Marine Grüne und FDP wollen Sanierung des Schulungsschiffes auf Eis legen

„Gorch Fock“-Werft segelt in die Insolvenz

Archivartikel

Berlin/Elsfleth.Bei der vor zwei Jahren begonnenen Sanierung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“ kommt es immer schlimmer. Auf Planungsmängel, immer neue Verzögerungen und eine Kostenexplosion folgte gestern der große Knall: Die mit Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG – Auftragnehmer für die „Gorch Fock“ – stellte einen Insolvenzantrag.

Die Kosten sind von ursprünglich veranschlagten 9,6 Millionen Euro auf eine Obergrenze von 135 Millionen Euro gestiegen. Knapp 70 Millionen Euro hat das Verteidigungsministerium für die Arbeiten, die inzwischen einem Neubau gleichkommen, bereits ausgegeben. Dann kamen Korruptionsvorwürfe und die Einsetzung eines Notvorstandes der Werft. Wo ist das Geld geblieben?

Die neue Werft-Führung wurde damit beauftragt, den Sachstand festzustellen und eine transparente Rechnung für den Fertigbau vorzulegen. Am Dienstag berichteten Werftvertreter dem Verteidigungsministerium über die finanzielle Lage. Sie kommt einem Wirtschaftskrimi gleich, bei dem es um Profiteure, ausgereichte Darlehen und ein branchenfremdes Firmengeflecht rund um die Werft gehen soll. Mit Ermittlungen sind bereits die Staatsanwaltschaften in Hamburg und Osnabrück beauftragt. Die neue Werftführung will versuchen, den Schiffbaubetrieb mit einer Insolvenz in Eigenverantwortung wieder auf Kurs zu bringen.

Schlagbaum riegelt Zugang ab

An der Elsflether Werft an der Weser ist es gestern ruhig, aber ein Schlagbaum und ein Schiebetor riegeln den Zugang doppelt ab. Die neue Lage trifft schon Zulieferer wie die Shiptech GmbH. Inhaberin Susanne Wiechmann hat Leute nach Bremerhaven zur Bredo-Werft geschickt. Dort liegt die „Gorch Fock“ zerlegt im Dock. Die Männer sollten Brandmeldeanlagen einsammeln, die Shiptech für die Baustelle gemietet hat. Doch in Bremerhaven wird ihnen nach Wiechmanns Angaben der Zugang bereits verwehrt.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Werft darum herumkommt“, kommentiert Shiptec-Mitarbeiter Carsten Stelling die Nachricht von der Insolvenz. Doch er ist ohnehin nur noch mit der Abwickelung von Shiptec beschäftigt. Wie immer es mit der Werft und der „Gorch Fock“ weitergeht – Wiechmann muss ihre Firma schließen. „Am 15. März habe ich 17 Kündigungen ausgesprochen“, sagt sie. Eine halbe Million Euro schulde ihr die Werft für Baustrom, Reinigung oder den Betrieb der Kantine.

Die Opposition in Berlin warnt derweil, dass die „Gorch Fock“ für den Steuerzahler noch teurer werden könnte. Grünen-Politiker Tobias Lindner spricht von einem „Fass ohne Boden“. Zusammen mit der FDP fordern die Grünen, den Bau des Schiffes auf Eis zu legen. Die Linke will ein Ende des Projektes „Gorch Fock“. Das Verteidigungsministerium signalisierte grundsätzliche Bereitschaft, das Schiff fertigzubauen. Jede Verzögerung kostet zusätzliches Geld. Pro Tag werden allein für das Dock in Bremerhaven 10 000 Euro fällig.