Politik

Kriminalität 39 Tote in Lastwagen-Container östlich von London entdeckt / Junger Nordire festgenommen / Handelt es sich um geschleuste Migranten?

Grausiger Fund im Industriegebiet

Archivartikel

London.Auf die Windschutzscheibe des Lastwagens hat jemand Sticker mit den Worten „Irland“ und „Der ultimative Traum“ geklebt. Das verheißungsvolle Versprechen könnte makaberer nicht wirken. Denn die Fahrt mit eben jenem Lkw entpuppte sich für 39 Menschen zu einem Alptraum, der für sie tödlich enden sollte.

Es muss ein grauenvoller Anblick gewesen sein, der sich den britischen Rettungskräften bot, nachdem sie in ein Industriegebiet östlich von London gerufen wurden. 39 Leichen – darunter ein Teenager – lagen in dem großen, weißen Container des Fahrzeugs, alle wohl durch das Kühlsystem im Innern des Lastwagens erfroren. Die Sanitäter, sie kamen zu spät in den Waterglade Industrial Park in Grays in der Grafschaft Essex. Bilder einer Überwachungskamera zeigen aber, dass der Fahrer den Lkw nur eine halbe Stunde vor Eintreffen der Rettungskräfte noch durch das Gewerbegebiet gelenkt hatte. Der 25-jährige Mann aus Nordirland wurde festgenommen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Mord. Mittlerweile gehen die Behörden davon aus, dass die Menschen mindestens vier Tage im Lastwagen verbracht haben. Denn der Lkw, der laut Polizei aus Bulgarien stammt, war bereits am vergangenen Samstag ins Vereinigte Königreich eingereist.

Weiße Schutzanzüge

Während die Leichen obduziert wurden, untersuchten Forensiker in weißen Schutzanzügen den Lastwagen. Um das Fahrzeug herum waren Zelte aufgebaut, die Gegend wurde weitreichend von der Polizei abgesperrt. Den Beamten zufolge dürfte es ein „langwieriger Prozess“ werden, bis alle Toten identifiziert seien. Vor Ort unterstützten Experten der landesweiten Polizeibehörde National Crime Agency die lokalen Ermittler. Bis zum Nachmittag war unklar, ob es sich bei den Opfern um ins Königreich geschleuste Migranten handelte.

Premierminister Boris Johnson drückte via Twitter sowie im Parlament seine Anteilnahme aus. Er sei „erschüttert über diesen tragischen Vorfall“ und werde regelmäßig über Neuigkeiten zu dem Fall informiert. „Meine Gedanken sind bei allen, die ihr Leben verloren haben, und ihren Angehörigen.“ Innenministerin Priti Patel zeigte sich ebenfalls „geschockt und traurig“ und betonte, die Behörden würden untersuchen, ob bei dieser „Tragödie“ eine Gruppierung der Organisierten Kriminalität eine Rolle gespielt habe. Jackie Doyle-Price, die konservative Abgeordnete für den Wahlkreis, twitterte, Menschenhandel sei „ein abscheuliches und gefährliches Geschäft. Lasst uns hoffen, dass diese Mörder ihre gerechte Strafe erhalten.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über ihren Sprecher mitteilen, dass ihr tiefes Mitgefühl den Angehörigen gelte. Den Behörden auf der Insel sagte die Bundesregierung jede notwendige Unterstützung bei der Suche nach den Schuldigen und Hintermännern zu.

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