Politik

Große Koalition verliert Mehrheit

Archivartikel

Politische Stimmung in Deutschland

In der politischen Stimmung verlieren die beiden Regierungsparteien CDU und SPD stark an Zustimmung. Die FDP und die Linke legen zu, AfD und Grünen bleiben konstant. Aktuell erreicht die CDU/CSU einen historischen Tiefstwert von 29% (-2), die SPD muss herbe Einbußen hinnehmen und erreicht mit 18% (-5) ebenfalls ihren Tiefstwert. Die AfD kommt auf 11% (+/-0), die FDP auf 9% (+2) und die Linke wie schon im Juli mit 12% (+4) auf ihren bisher besten Stimmungswert. Die Grünen verzeichnen mit 18% (+/-0) weiterhin einen hohen Zustimmungswert, alle anderen Parteien erhalten zusammen 4% (+1).

Da mit Umfragen aber immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem weit entfernten Wahltag nicht zulässig.

Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Ver­gleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion“, bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen poli­tischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.

Dieser errechneten Projektion liegen die Erkenntnisse über die langfristige, sozialstrukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Berücksichtigt wird dabei auch die fehlende Bekenntnisbereitschaft von den Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums.

Sonntagsfrage

Wäre bereits am Sonntag Bundestagswahl, gäbe es deutliche Verluste sowohl für die Union als auch die SPD, davon würden die Oppositionsparteien profitieren: Die Union käme auf einen Rekordtiefstwert von 28% (-2) und die SPD auf den Tiefstwert von 17% (-3), wie schon im Februar dieses Jahres. Mit 16% (+1) könnte die AfD rechnen, die FDP verbesserte sich auf 8% (+1) und die Linke auf 10% (+2). Leicht zulegen auf 17% (+1) könnten die Grünen, alle sonstigen Parteien würden zusammen 4% (+/-0) erhalten. Damit hätte eine große Koalition aus Union und SPD aktuell keine Mehrheit, reichen würde es für ein Bündnis von Union, FDP und Grünen. Alle anderen zurzeit politisch denkbaren Konstellationen würden eine parlamentarische Mehrheit verfehlen.

Zufriedenheit mit der Bundesregierung und den Koalitionspartnern

Die Unzufriedenheit mit der Arbeit der Großen Koalition ist sichtbar, aktuell wird sie mit nur -0,4 auf der Skala von +5 bis -5 (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) bewertet (August-II: 0,2; September-I: 0,2) und erhält damit den schlechtesten Wert seit 2014. Auch die CDU/CSU erhält für ihre Regierungsarbeit mit -0,7 die schlechteste Beurteilung innerhalb der letzten fünf Jahre (August-II: 0,0; September-I: -0,1), die SPD wird jetzt ebenfalls und erstmals in den beiden Legislaturperioden im Minusbereich (-0,1) eingestuft (August-II: 0,3; September-I: 0,3).

Beurteilung der Bundesregierung

Ganz allgemein finden aktuell weniger als die Hälfte der Befragten (45%), dass die Große Koalition gute Arbeit leistet, auch hier wird die wachsende Unzufriedenheit deutlich und im Vergleich zu vor zwei Wochen sinkt die Zufriedenheit um zehn Prozentpunkte (August-II: 51%; September-I: 55%). 50% meinen dagegen, die Bundesregierung leiste eher schlechte Arbeit (August-II: 44%; September-I: 40%), 5% urteilen darüber nicht (August-II: 5%; September-I: 5%).

Wäre eine Regierung aus CDU/CSU, FDP und Grünen eine Alternative?

Eine Mehrheit von 51% (April-I: 42%) ist der Ansicht, dass es keinen großen Unterschied machen würde, wenn statt der Großen Koalition ein Jamaika-Bündnis regieren würde. 27% (April-I: 21%) meinen, eine Regierung aus Union, FDP und Grünen würde es besser machen als die jetzige Bundesregierung, 16% und damit nur noch halb so viele wie im Frühjahr (April-I: 30%) gehen davon aus, dass solch ein Bündnis schlechtere Arbeit leisten würde als Schwarz-Rot zurzeit (weiß nicht: 6%; April-I: 7%).

Gewünschte Koalition

Wenn es um die gewünschte nächste Bundesregierung geht, antwortet hier aktuell ein Viertel der Befragten mit „weiß nicht“. Bei denen, die ein Votum abgeben, gibt es nach wie vor ein sehr heterogenes Bild: 11% der Befragten sprechen sich für eine Regierung aus Union und SPD (August-II: 16%; September-I: 15%); 10% für ein rot-grünes Bündnis (August-II: 8%; September-I: 11%) aus, 8% für Schwarz-Grün (August-II: 7%; September-I: 7%) und 7% für Schwarz-Gelb (August-II: 11%; September-I: 8%). 6% präferieren eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP (August-II: 4%; September-I: 4%) und 5% wünschen sich eine Zusammenarbeit von SPD, Linke und Grünen (August-II: 6%; September-I: 8%). Verschiedene sonstige Konstellationen nennen insgesamt 28% (August-II: 23%; September-I: 24%).

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