Politik

Politbarometer I (August I 2017/KW 32)

Grüne und FDP legen etwas zu

Politische Stimmung in Deutschland

Gut sechs Wochen vor der Bundestagswahl haben Union, SPD und AfD in der politischen Stimmung leichte Verluste, Grüne und FDP legen etwas zu, die Linke ist unverändert. Die CDU/CSU erreicht aktuell 43% (-1), die SPD kommt jetzt auf 24% (-2), die Linke wird wie zuletzt bei 7% (+/-0) gemessen, die Grünen erreichen mit 9% (+2) ihren besten Stimmungswert seit Februar, die FDP liegt bei 8% (+1), die AfD rutscht auf 7% (-1) und alle sonstigen Parteien erreichen in der Summe 2% (+1).*
  
Da mit Umfragen immer nur Stimmungen in der Bevölkerung zum Zeitpunkt der Befragung gemessen werden, sind Schlussfolgerungen auf eine mögliche Wahlentscheidung an einem Wahltag in wenigen Wochen nicht zulässig.
 
Die Politbarometer-Ergebnisse sind wie immer politisch nicht gewichtet. Ein Vergleich der Wahlabsichtsfrage und der Sympathiemessungen der Politbarometer-Untersuchungen mit den politisch gewichteten Ergebnissen anderer Institute ist daher nur bedingt möglich. Aus diesem Grund veröffentlicht das Politbarometer die „Projektion", bei der die in den aktuellen Untersuchungen gemessenen politischen Stimmungen auf ein Wahlergebnis für eine Bundestagswahl übertragen werden, falls diese am nächsten Sonntag stattfinden würde.
 
Dieser errechneten Projektion liegen Erkenntnisse über die langfristige, sozial-strukturell begründete Stabilität im Wählerverhalten bei Bundestagswahlen zugrunde sowie Erkenntnisse über den theoretischen Ausgang einer Bundestagswahl unter „normalen“ Bedingungen, d. h. ohne die Überzeichnungen in der aktuell gemessenen politischen Stimmung. Berücksichtigt wird dabei auch die fehlende Bekenntnisbereitschaft von Anhängern der Parteien an den Rändern des Parteienspektrums.
 
Wäre am Sonntag Bundestagswahl, gäbe es zur letzten Politbarometer-Projektion Ende Juli keine Veränderungen: Demnach könnte die Union mit 40% (+/-0) rechnen, die Sozialdemokraten kämen auf 24% (+/-0) und die Grünen auf unverändert 8% (+/-0). Auch die Linke würde 8% (+/-0) erzielen, FDP und AfD lägen ebenfalls bei jeweils 8% (jeweils +/-0), die sonstigen Parteien würden zusammengenommen 4% (+/-0) erzielen. Mehrheiten gäbe es nur für eine große Koalition oder ein „Jamaika“-Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und FDP. Für Schwarz-Gelb, für Rot-Rot-Grün oder für eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP würde es nicht reichen.


Parteipotenziale und Festlegung auf Parteien

 

Dass die Politbarometer-Projektion keine Prognose für den Ausgang der Bundestagswahl liefern kann, zeigen – neben Faktoren wie Fehlerbereiche, verbleibendes Zeitfenster oder Mobilisierungseffekte – die theoretischen Potenziale der Parteien: Einschließlich derjenigen, die aktuell für die CDU/CSU stimmen wollen, ist für momentan 60% (Apr-II: 56%; Jun-II: 61%) der Wähler eine Wahl der Union denkbar, für alle anderen kommt das grundsätzlich nicht in Frage. Zusammengenommen 43% (Apr-II: 54%; Jun-II: 48%) sagen, dass sie SPD generell wählen könnten bzw. ohnehin wählen. Eine Stimme für die Grünen ist für 36% (Apr-II: 38%; Jun-II: 35%) eine denkbare Option. Die Reichweite der Linken ist dagegen begrenzt, da sich deren Wahl nur 18% (Apr-II: 21%; Jun-II: 21%) vorstellen können. Eine Wahl der FDP können sich 34% (Apr-II: 31; Jun-II: 36%) vorstellen und für die AfD zu stimmen, ist für 11% (Apr-II: 9%; Jun-II: 8%) der Befragten grundsätzlich denkbar, alle anderen schließen das aus. 
 
Das Phänomen politischer Volatilität unterstreicht schließlich noch eine andere Zahl: Neben ihrer aktuellen Parteipräferenz können sich 69% (Apr-II: 72%; Jun-II: 73%) aller Befragten, die wählen wollen, vorstellen, auch eine oder verschiedene andere Parteien zu wählen, 31% (Apr-II: 28%; Jun-II: 27%) sind restriktiv auf genau eine Partei festgelegt. 


Bundestagswahl: Vorentscheidung und erwarteter Gewinner

 

Für die Bundestagswahl im September werden der Union die eindeutig besten Chancen auf den Wahlsieg eingeräumt – wirklich entschieden, so eine Mehrheit, ist allerdings noch nichts. So ist für unverändert 55% (Jul-I: 61%; Jul-II: 55%) der Befragten „heute noch nicht klar, wer die Bundestagswahl gewinnt“. Für 43% (Jul-I: 38%; Jul-II: 43%) ist das Rennen bereits gelaufen. Neben 45% der CDU/CSU-, 39% der SPD-, 46% der Linke-, 39% der Grünen-, 44% der FDP- und 59% der AfD-Anhänger meinen auch 42% der potenziellen Nichtwähler, dass „jetzt schon klar ist, wer gewinnt“.  (S. 20)
 
Was die persönlichen Erwartungen an den Ausgang der Bundestagswahl betrifft, rechnen – mit jetzt abnehmender Tendenz – 74% (Jul-I: 74%; Jul-II: 80%) der Befragten mit einem Wahlsieg von Union und Angela Merkel, nur 6% (Jul-I: 9%; Jul-II: 5%) nennen bei dieser vorgabenfreien Frage die SPD mit Martin Schulz als Gewinner, 13% (Jul-I: 12; Jul-II: 11%) wagen keine Prognose. 


Zufriedenheit mit Regierung und Opposition 

 

Bei der Zufriedenheit mit Regierung und Opposition gibt es für die Große Koalition jetzt weniger gute Noten: Auf der +5/-5-Skala wird das Kabinett insgesamt bei 1,2 (Jul-I: 1,4; Jul-II: 1,4) verortet, die CDU/CSU erreicht in der Einzelwertung 1,0 (Jul-I: 1,2; Jul-II: 1,3) und die SPD 0,8 (Jul-I: 0,9; Jul-II: 1,0). Die Grünen in der Opposition liegen bei schwachen 0,0 (Jul-I: 0,1; Jul-II: -0,1), die Linke wird mit
-0,6 (Jul-I: -0,5; Jul-II: -0,9) eingestuft. 

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