Politik

Gunter Carra

Archivartikel

Die meisten von uns haben wahrscheinlich ein gewisses Bild vor Augen, wenn sie an einen Pädophilen, Mörder oder etwa einen Terroristen denken. Wir alle können uns vor einem gewissen „Schubladendenken“ nicht ohne weiteres verschließen beziehungsweise ein solches abstellen. Unsere Vorstellungen und Bilder beruhen auf Erfahrungen und Erlebnissen oder werden unreflektiert übernommen.

Vielleicht sind es Vorurteile. Unweigerlich versuchen wir, unsere Welt in Schwarz und Weiß zu kategorisieren, in Gut und Böse. Dabei vergessen wir, dass es auch Graustufen gibt, dass es nicht nur rein Gutes oder rein Schlechtes gibt.

Auch ich habe diese Vorurteile und Vorstellungen von Menschen, die etwa eines bestimmten Verbrechens beschuldigt werden, und es ist meine Aufgabe und meine Pflicht als Richter, gegen diese Vorverurteilung anzukämpfen und jedem Menschen neutral und unvoreingenommen gegenüberzutreten. Neutralität und Unabhängigkeit kann nur da gelingen, wo man sich seiner Einflüsse bewusst wird und seine Entscheidungen selbstkritisch hinterfragt.

Gerichtliche Entscheidungen beruhen auf dem Gesetz. Wer eine Straftat begeht, wird bestraft, und das ohne Ansehung seiner Herkunft, seines Geschlechts oder etwa seiner politischen Anschauung. Denn dank unseres Grundgesetzes sind vor dem Gesetz alle gleich, und das ist das Schöne an dem Gesetz.

Gunter Carra ist Richter am Amtsgericht Mannheim. Zugleich ist er dessen Pressesprecher.