Politik

SPD-Vorsitz Bislang wenig prominente Kandidaten für Posten / Frist läuft in einem Monat aus

Hängepartie am Bewerber-Markt

Archivartikel

Berlin.Malu Dreyer strahlt. „Und jetzt geht’s los, Ihr lieben Leute, macht mit, wir freuen uns!“, sagt die kommissarische SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin in einer Werbebotschaft für die Beteiligung der SPD-Mitglieder an der Auswahl des künftigen Parteivorsitzes. Doch einen Monat vor dem Ende des Bewerbungsschlusses am 1. September ist noch nicht absehbar, ob es überhaupt genug Bewerber mit Strahlkraft geben wird, um einen lebhaften Wettbewerb in Gang zu setzen. An diesem Mittwoch wollen die Kandidaten Michael Roth und Christina Kampmann in Berlin noch einmal für ihre Sache werben.

Die SPD hängt in der Luft. Nach starker Führung sieht es derzeit nicht aus – trotz gleich drei kommissarischer Chefs. Wer die Sozialdemokraten in welche Zukunft führen soll, zeichnet sich auch rund zwei Monate nach dem Rücktritt von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles in keiner Weise ab.

Politische Schwergewichte haben bisher eher durch Absagen und Zögern auf sich aufmerksam gemacht. Der Mann, der wohl am häufigsten als mögliche künftige Nummer eins der SPD genannt wird, hat bereits Routine im Abwinken. „Ich habe in Niedersachsen eine wichtige und schöne Aufgabe und keine Ambitionen auf einen Wechsel nach Berlin“, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. „Nur auf die „Schließen Sie aus“-Fragen antworte ich konsequent immer: nein.“

Ein Medienbericht, wonach Weil verzichten und den Weg für Lars Klingbeil als Kandidaten freimachen will, wurde am Montagabend in Parteikreisen als Spekulation eingestuft. Dem Generalsekretär, auch ein Niedersachse, werden Ambitionen nachgesagt.

Andere haben deutlichere Worte gefunden, um zu sagen, dass sie nicht an die SPD-Spitze wollen, allen voran die Interimchefs Dreyer, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Hessens Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel – aber auch Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil.

Verschiedene Anwärter

Klingbeil erwartet dennoch „sicher“ weitere Kandidaten. „Ich schließe nicht aus, dass es auch von Ministerpräsidenten oder Ministern Bewerbungen geben kann“, sagt er. Familienministerin Franziska Giffey gilt als Anwärterin. Eine Bewerbung nicht ausgeschlossen hat die ehemalige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Gesine Schwan. Gehandelt wird auch der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert. Auch Heil, trotz Absage, und Außenminister Heiko Maas werden genannt. dpa

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