Politik

OB-Wahl Südwest-Grüne rücken vom Freiburger Verlierer ab und bilden Schutzschild um Kretschmann

Harte Kritik an Salomon

Archivartikel

Freiburg/Stuttgart.„Das war eine Persönlichkeitswahl und Folge der lokalen Gegebenheiten“, sagt Grünen-Landeschefin Sandra Detzer über die bittere Wahlschlappe ihres Parteifreundes Dieter Salomon bei der Freiburger OB-Wahl am Sonntag. Mit Grün-Schwarz auf Landesebene habe das nichts zu tun. Doch eine Lehre will Detzer aus dem Verlust der Öko-Hauptstadt doch ziehen: „Wir Grüne tun gut daran, unsere Werte und Inhalte auch sichtbar unserer Politik voranzustellen.“

Nicht wenige in der Partei finden, dass auch Winfried Kretschmann in seiner Arbeit als Regierungschef in Sachen grünes Profil durchaus Nachholbedarf hat. Beim Parteitag am Wochenende haben das einzelne Delegierte auch offen gesagt. „Ich hätte mir von dir, lieber Winfried, ein Machtwort gewünscht“, kritisiert einer Kretschmanns moderaten Kurs im Wahlrechtsstreit mit der CDU. Diese Sichtweise könnte durch Salomons Niederlage neue Anhänger gewinnen. Denn der Realo hatte in Freiburg auf ein Bündnis mit den Konservativen gesetzt und damit verloren.

Aber selbst Lena Schwelling, die Landesvorsitzende der Grünen Jugend, warnt vor einfachen Kurzschlüssen. „Eine OB-Wahl ist eine sehr lokale Sache“, betont die Nachwuchspolitikerin, die sonst durchaus mehr grünes Profil im Bündnis mit der CDU anmahnt. Salomons Schlappe sei kein Hinweis auf den Niedergang der Grünen.

Haarsträubende Fehler

Auch Grüne, die Salomon wohlgesonnen sind, sehen schwere Fehler. „Da gab es Panikentscheidungen“, meint ein erfahrener Wahlkämpfer. Er nennt als Beispiel die Auftritte der Grünen-Promis Kretschmann und Cem Özdemir. „Ich kapiere nicht, dass er sich darauf eingelassen hat“, sagt er. Wer sich vor dem ersten Wahlgang im schwarzen Anzug mit Goldbuchstaben präsentiere, könne sich vor dem zweiten Wahlgang nicht mit „Dieter wählen“ anbiedern. Geschadet habe Salomon auch, dass er sich immer wieder von den Grünen distanziert habe. Das habe Monika Stein geholfen, der Konkurrentin vom linken Flügel.

Der Freiburger Politikwissenschaftler Ulrich Eith sieht das ähnlich: „Frau Stein hat eine linke Stimmungslage getroffen, die Salomon gar nicht mehr erreichen konnte.“ Für die Grünen sei der Sieg des von der SPD unterstützten Martin Horn aber „ohne Zweifel ein Imageverlust mit Symbolcharakter“. Green City Freiburg sei eine Marke, die Salomon maßgeblich geprägt und die Stadt international bekannt gemacht hat. Darum ist es aber nach Eiths Ansicht am Sonntag gar nicht gegangen. „Viele Wähler wollten einfach einen Wechsel der Person“, meint er. Horn habe „erfolgreich ein Gefühl des Unbehagens aufgegriffen“, wonach sich auch in Freiburg ein Establishment abgekoppelt habe und die Bürger nicht mehr wahrnehme. Salomon und Kretschmann seien zwar Pragmatiker bei den Grünen, aber zur Landespolitik gebe es deutliche Unterschiede.

Detzer versucht, den Schaden einzugrenzen. „Wir sind traurig, werden aber den Verlust verkraften“, sagt sie. Die Wähler unterscheiden ihrer Ansicht nach bei Wahlen klar, ob es um Salomon geht oder auf Landesebene um Kretschmann. Allerdings müssten die Grünen aus der Niederlage für künftige Bürgermeisterwahlen Konsequenzen ziehen. „Die bittere Erkenntnis ist, dass eine ordentliche Bilanz nach 16 Jahren den Bürgern nicht reicht“, sagt sie. Zu den „handfesten Fehlern“ rechnet sie Salomons bürgerlichen Kurs: „In einer grünen Stadt muss man auch Grün im Wahlkampf sehen.“ Dass das auch für eine grün-geführte Landesregierung gelten soll, würde sie offen nie sagen.