Politik

Serie "Die Krise und ich"

Heidelbergs OB Eckart Würzner: "Das Miteinander wird wieder entdeckt"

Wir alle erleben gerade eine außergewöhnliche Zeit. Das gilt natürlich auch für mich. Das Alltagsgeschäft bei uns im Rathaus ist auf das absolut Notwendigste reduziert. Es dreht sich mehr oder weniger alles um die Krise, und um die Fragen, die sich dabei stellen: Wie können wir die Krankenhäuser unterstützen? Wie können wir Mitarbeiter verschieben, wenn andere zuhause bleiben müssen? Da steckt eine Menge Logistik dahinter.

Eigentlich befinden wir uns alle gerade in einer Art Ausnahmezustand. Darum bin ich praktisch rund um die Uhr im Einsatz, entweder direkt im Büro oder per Telefon. Das geht morgens schon los mit dem Lesen der ersten Meldungen über die Zahl der Neuinfizierten oder den Fortschritt bei der Einrichtung der Corona-Zentren. Dann tagt regelmäßig unsere Taskforce mit Klinikum, Gesundheitsamt, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Ordnungskräften und den wichtigsten Dienststellen. Das läuft sehr gut.

Auch wir als Städte versuchen uns abzustimmen, mit Mails, Telefonkonferenzen, per Skype oder WhatsApp. Wir müssen jetzt sehr viele, sehr wichtige Entscheidungen treffen. Und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Natürlich ist die Entscheidung, fast alle Einrichtungen und Geschäfte zu schließen, nicht leicht. Aber ich bin immer jemand, der lieber jetzt konsequent handelt, als die Infiziertenzahlen weiter steigen zu lassen.

Um die Grundstrukturen der Daseinsvorsorge mache ich mir keine Sorgen, die sind sehr gut. Aber wirtschaftlich ist es ein brutaler Aderlass, den wir erleben. Viele sind existenziell bedroht.

Es gibt aber auch etwas Positives in der Krise: An zahlreichen Orten sind neue Nachbarschaftshilfen entstanden. Das Miteinander wird wieder entdeckt. Das ist toll und hat uns in der Vergangenheit etwas gefehlt. (mig)

Eckart Würzner, 58, Oberbürgermeister von Heidelberg

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