Politik

Serie "Die Krise und ich"

Heike Dürr, zurzeit in Quarantäne: "Wir sind guter Dinge, die Zeit zu überstehen"

In den sozialen Medien gibt es derzeit unzählige Tipps und Ideen, wie man gut durch eine Quarantäne kommt. Die meisten Vorschläge sind lustig, vor allem, wenn man nicht betroffen ist. Nun sind wir aber mittendrin: Mein Mann und ich sind seit einigen Tagen in Quarantäne. Bei einem Aufenthalt in Tirol hatten wir Kontakt zu einer inzwischen positiv getesteten Person und dürfen bis Ende dieser Woche das Haus nicht mehr verlassen.

Plötzlich sind alle diese Themen relevant: Wie kommt man an Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs? Wie den Tag gestalten und vor allem: Wie hält man es zu zweit in einer kleinen Dachwohnung aus unter Einhaltung des angeratenen Abstandes?

Zum Glück sind wir nicht erkrankt und konnten so eine Tagesstruktur festlegen: Der Wecker klingelt jeden Morgen zur gleichen Zeit, den Tag beginnen und beenden wir mit einer kleinen Sporteinheit. Dank Youtube haben wir Zugang zu unzähligen Kursen, das hilft, sich trotz des stark eingeschränkten Bewegungsspielraumes aktiver zu fühlen. Zwischen den Mahlzeiten stehen jeden Tag zwei lange Arbeitseinheiten an. Zu tun gibt es genug. Neben unserem Arbeitspensum müssen Termine abgesagt und verlegt werden, zusätzliche Aufgaben wie Fensterputzen oder Schrankausmisten halten uns vom Grübeln ab. Viel Zeit geht für Telefonate mit Familie und Freunden drauf, die sich nach uns erkundigen.

Was uns positiv überrascht: Wir bekommen viel Hilfe angeboten. Da wir zwei Wohnsitze haben, dachten wir, wir hätten hier kein soziales Netz, das uns auffängt. Nun bieten uns aber Kollegen und Bekannte Hilfe an, ein kleines Lebensmittelgeschäft in der Nachbarschaft beliefert uns mit Obst und Gemüse und ein Lieferant von Biokisten hat uns trotz Aufnahmestopp in seine Kundenkartei aufgenommen. So freuen wir uns so über Milchprodukte und frisches Brot.

Wir sind guter Dinge, die Zeit gut zu überstehen – auch wenn die Sehnsucht nach einem Spaziergang groß ist. Uns hilft aber unsere Einstellung: Wir betrachten die Quarantäne nicht als Bestrafung – sondern als alternativlose Maßnahme, um andere zu schützen. 

Heike Dürr, 53, aus Ladenburg, zurzeit in Quarantäne

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