Politik

Kanzleramtsminister Aus der grauen Eminenz ist in der Corona-Krise der Talkshow-taugliche Koordinator geworden

Helge Braun, Merkels Krisenmanager

Archivartikel

Berlin.Nach dem Koalitionsausschuss vor zwei Wochen, als Union und SPD ihr Konjunkturpaket auf den Weg brachten, war eine Teilnehmerin ganz begeistert. Helge Braun (Bild/CDU), Kanzleramtsminister und Angela Merkels Corona-Manager, habe souverän die Dinge sortiert und gebündelt, er sei „ein ganz großer Teil des Erfolges“, lobte die Spitzenpolitikerin im kleinen Kreis.

Helge Braun, 47, geboren in Gießen, ehemaliger Anästhesist, groß, schwergewichtig, wird häufig mit seinem Vorgänger Peter Altmaier verwechselt. Und gerne bezeichnet man ihn auch als „Balu der Bär“, weil er so gutmütig daherkommt. Der Eindruck täuscht. Der „ChefBK“, so sein Postenkürzel, ist die graue Eminenz auf der siebten Etage des Kanzleramts, dieselbe Ebene mit Angela Merkel. Kurzer Weg zwischen den Büros, fast rund um die Uhr im Dienst. Interviews gab Braun bisher selten, öffentliche Termine außerhalb des eigenen Wahlkreises waren überschaubar. In der Corona-Krise ist das plötzlich anders.

Am Anfang vergaloppierte er sich

Braun muss vor die Mikrofone und in die Talkshows, um den Lockdown und die Folgemaßnahmen zu erklären und nochmals zu erklären. Dass das nicht unbedingt seiner Rolle entspricht, merkte man daran, dass er sich gleich am Anfang einmal vergaloppierte. Kurz nach dem Beschluss zu den Kontaktbeschränkungen kündigt er an, die Jüngeren dürften eher als die Älteren wieder raus. Das war so gar nicht Merkels Linie. Ihr enges Vertrauensverhältnis erschütterte der Fauxpas aber nicht, zumal er ein Einzelfall blieb.

Seit Beginn der Pandemie ist alles über Brauns Schreibtisch gewandert, was die Regierung mit den Ländern auf den Weg gebracht hat – die deutsche Anti-Krisen-Strategie ist vor allem sein Werk. Er schrieb mit seinem Stab die Beschlussvorlagen für die Beratungen Merkels mit den Ministerpräsidenten; auch für das Treffen am Mittwoch wieder. Er koordinierte die Vorabverhandlungen mit den Staatskanzleien und das Vorgehen der Bundesministerien. Braun leitete die Staatssekretärsrunden, die jeder Sitzung des „Corona-Kabinetts“ vorgeschaltet waren.

Der stets freundliche Amtschef und Hobbygärtner musste zusammenhalten, was im Föderalismus zusammenzuhalten möglich ist – und das auch noch gegen die Eitelkeiten und Ambitionen einiger Ministerpräsidenten. Ein Knochenjob, nicht immer von Erfolg gekrönt. Jetzt, wo das Infektionsgeschehen nur noch gering ist und nach einiger Verzögerung die Corona-App endlich freigeschaltet wurde, kann er im direkten Krisenmanagement eine Atempause einlegen.

Am Mittwoch stellte sich der Corona-Manager erstmals im Bundestag den Fragen der Abgeordneten. Kritik gab es kaum. Versuche der AfD, der Regierung die Schuld für die jetzige Lage in die Schuhe zu schieben, konterte er geschmeidig. Derzeit erlebe man „die Folgen einer Pandemie und nicht die Folgen des Handelns der Bundesregierung“, betonte Braun.

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