Politik

Wirtschaft Ungeregeltes Verlassen kostet jeden Deutschen im Schnitt 115 Euro / Regionale Unterschiede enorm

Hohe Verluste bei Einkommen

Archivartikel

Rhein-Neckar/Gütersloh.Auch wenn keiner weiß, wie der Brexit aussehen und wann er vollzogen wird – das Bruttoeinkommen in Deutschland schmälert er einer Studie zufolge wohl in Milliardenhöhe. Komme es zu einem ungeregelten Austritt Großbritanniens ohne Vertrag, müssten sich die Deutschen auf einen Einkommensverlust von fast zehn Milliarden Euro jährlich einstellen. Pro Kopf bedeute das rein statistisch gesehen rund 115 Euro weniger, schätzt eine Berechnung der Bertelsmann Stiftung.

Nach Großbritannien selbst wäre demnach das exportorientierte Deutschland bei den Bruttoeinkommen am stärksten belastet, gefolgt von Frankreich und Italien. Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die negativen Auswirkungen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien – Brexit mit oder ohne Vertrag – Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt.

Als Gründe für die erwarteten Verluste nennen sie Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung.

Deutliche Einbußen

Fast zehn Milliarden Euro absoluter Einkommensverlust für Deutschland jedes Jahr sei ein hoher Wert, entspreche aber nur etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erläuterte Mitautor Dominic Ponattu. Es sei von regional unterschiedlichen Auswirkungen auszugehen. Der Brexit träfe die Regionen mit einem hohen Anteil an mittelständischen Unternehmen stark – etwa das Umland von Stuttgart. 116 Euro pro Kopf hätten die Menschen dort am Ende weniger im Geldbeutel. In Freiburg fiele der Verlust schwächer aus – es wären 85 Euro. In Rheinhessen-Pfalz wären es 98 Euro, in Trier 92 Euro. In Darmstadt wiederum fehlten der einzelnen Person ganze 125 Euro.

Bei einem vertraglich geregelten Austritt sieht die Simulation weit weniger negative Auswirkungen. Für Deutschland nehme man dann Einkommensverluste von rund fünf Milliarden Euro an. Auch für die gesamte EU (ohne Großbritannien) würde sich der Verlust in etwa halbieren – auf noch geschätzte 22 Milliarden Euro. see/dpa

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