Politik

Gleichberechtigung Mehr Berücksichtigung der CDU-Mitgliederbasis erwünscht / Vorsitzender der Werteunion Alexander Mitsch verlangt mehr Mitsprachemöglichkeiten für seine Gruppierung

„Ich halte eine Frauenquote nicht für zielführend“

Archivartikel

Berlin.Eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent für Ämter und Mandate, mehr Rechte für Homosexuelle in der Union – die CDU-Spitze will auf dem Parteitag im Dezember neue Weg gehen. Allerdings sind die Pläne umstritten. So lehnt der Vorsitzende der konservativen Werteunion, Alexander Mitsch, eine Quote ab. Im Gespräch mit dieser Redaktion fordert er auch mehr Rechte für seine Gruppierung.

Herr Mitsch, bei einem weiblichen Anteil von 26 Prozent – braucht die Union nicht dringend mehr Frauen in Amt und Würden?

Alexander Mitsch: Ich halte eine Frauenquote nicht für zielführend. Ich höre sogar von vielen Frauen, dass sie von einer festen Quote abgestoßen sind. Weil sie sich mit ihren Qualifikationen und Leistungen durchsetzen wollen.

Aber die Zahlen zeigen doch, dass beides allein nicht reicht?

Mitsch: Wir tun doch der CDU keinen Gefallen, wenn wir jetzt eine Diskussion um sogenannte Quotenfrauen aufmachen. Wir sind die Partei der Leistung. Da ist eine verbindliche Quote von 50 Prozent auch nicht der richtige Weg. Das schränkt die Wahlfreiheit der Mitglieder erheblich ein. Außerdem erinnert mich ein solcher Plan an sozialistische Denkweisen, die in der Union nichts zu suchen haben.

Sie haben getwittert, eine 100-Prozent-Kompetenzquote wäre besser. Haben Sie ein Problem mit Frauen?

Mitsch: Überhaupt nicht. Unser größter Landesverband, Nordrhein-Westfalen, wird zum Beispiel von einer Frau geführt. Bekanntermaßen ist die berufliche Qualifikation von Frauen mindestens so hoch wie die von Männern. Aber noch mal: Leistung muss zählen. Wir müssen geschlechterunabhängig mehr Sachverstand in die CDU holen, indem wir beispielsweise Mitgliedern mehr Mitbestimmungsrechte einräumen.

Wie stehen Sie denn zur Anerkennung von Homosexuellen in der Union, was die Vorsitzende auch will?

Mitsch: Die CDU sollte ihre unterschiedlichen und sehr vielfältigen Strömungen tatsächlich aufwerten. Deswegen finde ich, es ist eine gute Idee, diesen Gruppierungen einen größeren Status einzuräumen. Die CDU muss insgesamt ihre Mitgliederbasis stärker beleben und einbinden. Insofern ist der Grundgedanke ein richtiger.

Was bedeutet das dann für die Werteunion?

Mitsch: Wenn die Parteiführung konsequent sein will, muss sie auch die Werteunion aufwerten. Wir sind mit 4500 Mitgliedern deutlich größer als der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union. Das darf man nicht ignorieren.

Eine Aufwertung heißt für Sie?

Mitsch: Es geht uns derzeit nicht um eine förmliche Anerkennung als Parteiorganisation. Wir wollen bewusst unabhängiger bleiben. Ich möchte eine Aufwertung beispielsweise durch mehr Präsenz- und Antragsrechte. Dadurch könnten wir unsere Ideen stärker in die Partei einbringen und auch mehr Berücksichtigung unserer Auffassungen einfordern.

Zum Thema