Politik

„Israel braucht Freunde“

Majid Khoshlessan, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mannheim

Herr Khoshlessan, was sagen Sie als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde dazu, dass kein deutscher Vertreter zur Botschaftseröffnung geht?

Majid Khoshlessan: Ich finde es sehr bedauerlich, dass Deutschland nicht daran teilnimmt – obwohl so viele andere Staaten Vertreter schicken.

Hat Trump mit seiner Entscheidung Israel und den Juden weltweit einen Gefallen getan?

Khoshlessan: Ob man die Botschaft verlegt oder nicht, damit wird sich kein Deut ändern. Die Feindseligkeit gegenüber Israel ist da – und nicht einfach die Feindseligkeit, dass man miteinander kämpft, sondern mit der Zielsetzung, Israel zu vernichten. Und sie ist nicht neu. Israel als demokratisch-rechtsstaatliche Einheit ist umgeben von feindseligen Staaten, die von korrupten Diktatoren beherrscht werden. Israel braucht Freunde. Die USA bekennen sich unmissverständlich zu Israel. Voraussichtlich werden einige andere Länder auch ihre Botschaften nach Jerusalem verlegen. Es wäre sehr begrüßungswert, wenn Deutschland folgen würde. Es ist ein Riesenproblem, dass die arabisch-islamischen Länder auch nach 70 Jahren nicht anerkennen wollen, dass es einen Staat Israel gibt. Mit der Verlegung der Botschaft wird sich an der Situation nichts ändern.

Was ist Ihr Vorschlag für eine Friedenslösung?

Khoshlessan: Ich höre immer, warum sich Israel nicht an den Tisch setzt, um Frieden zu schaffen. Gerne! Das sagt sogar Benjamin Netanjahu. Wir sind für eine Zwei-Staaten-Lösung. Jetzt sagen Sie mir aber bitte: Wer sitzt auf der anderen Seite, um zu verhandeln? Hamas, Hisbollah – die wollen Israel vernichten, das ist ihr Ziel, wie Iran. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt – warum sollte es nicht möglich sein, dass ein Teil dieser Stadt, der Westteil, jüdisch bleibt? Der Osten kann im Falle eines Friedens die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werden. 

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