Politik

Politbarometer Thema soziale Gerechtigkeit erachten nur wenige Befragte als wichtig / Union baut in Umfragen leicht ab

Jamaika-Bündnis bei den meisten Deutschen unbeliebt

Mannheim.SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und seine Genossen geben sich trotz schlechter Wahlprognosen optimistisch. Ein Großteil der Wähler sei noch immer unsicher, wen sie am Sonntag in einer Woche tatsächlich wählen. Die Zahlen des neuen Politbarometers der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen geben ihnen Recht. 39 Prozent der Befragten wollen ihre aktuelle Wahlpräferenz vielleicht noch einmal ändern.

Diese Unsicherheit kurz vor der Wahl sei normal, sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe. "Die Bindung an eine Partei ist nicht mehr so groß, weil die Gesellschaft nicht mehr so stark ideologisiert ist." Zudem näherten sich Parteien zunehmend programmatisch an.

SPD gewinnt leicht dazu

Tatsächlich konnte die SPD im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt zulegen. 23 Prozent der Deutschen würden die Sozialdemokraten wählen, wenn an diesem Sonntag Bundestagswahl wäre. 36 Prozent wollen ihr Kreuzchen bei CDU/CSU machen, zwei Punkte weniger als in der Vorwoche. Diese Wähler seien dem politischen Rand der Union zuzurechnen und hätten nun zum Beispiel die FDP (plus ein Punkt) als Präferenz angegeben, meint Jung. Linke (neun) und Grüne (acht) halten ihre Ergebnisse der Vorwoche. Die AfD und die FDP teilen sich mit jeweils zehn Prozent den dritten Platz.

"Je näher es auf die Wahl zugeht, desto mehr spielt die Frage eine Rolle, wer mit wem regiert", sagt Jung. Momentan würde eine großen Koalition oder eine Jamaika-Koalition (CDU, FDP und Grüne) eine absolute Mehrheit bekommen. "Jamaika hat aber eine viel geringere Zustimmung in der Bevölkerung als eine große Koalition", so Jung. Die Neuauflage von Schwarz-Rot fänden 40 Prozent der Befragten gut (42 Prozent schlecht), Schwarz-Gelb-Grün lediglich 25 Prozent (52 Prozent schlecht). Aber keine mögliche Koalition wird in der Mehrheit befürwortet.

Der Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel stellen die meisten Wähler ein positives Zeugnis aus. 76 Prozent der Befragten finden, sie mache einen guten Job. Bei der Frage, wer der nächste Bundeskanzler werden soll, wünschen sich immerhin 56 Prozent (minus eins), dass Merkel im Amt bleibt. Martin Schulz wollen nur 32 Prozent (ebenfalls minus eins) an der Spitze der deutschen Regierung sehen.

Schulz stellt das Thema soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Allerdings messen viele Wähler dem Problem keine große Bedeutung bei. Lediglich 16 Prozent halten es für das wichtigste Thema in Deutschland. Weitere sozialdemokratische Themen wie Rente und Alterssicherung erachten 20 Prozent der Befragten als wichtig. Schule und Bildung gaben 13 Prozent als bedeutendes Problem an. Mit 49 Prozent bereiten den Wählern vor allem Integrations-, Ausländer- und Flüchtlingsfragen Kopfzerbrechen.

Die AfD, die sich diesen Themen verschrieben hat, ist weiter im Aufwind. Schon in der Vorwoche machten die Rechtspopulisten einen Prozentpunkt gut, in dieser Woche gewannen sie einen weiteren. "Die Zugewinne bei der AfD sind auf die starke Polarisierung zurückzuführen", erklärt Jung. Jetzt, wo sich eine Führung der Union abzeichne, werde die AfD teilweise auch aus Protest gewählt. Das Schüren von Ressentiments beschert der Partei bei den meisten Deutschen einen schlechten Ruf. 79 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass rechtsextremes Gedankengut in der Partei weit verbreitet sei. Parteianhänger hingegen finden, diese Ideologie sei wenig bis gar nicht verbreitet (70 Prozent).

Großteil lehnt Dieselverbot ab

Dieselskandal und Kartellvorwürfe machen die Zukunft der Automobilbranche zum Wahlkampfthema. Nur ein Viertel der Deutschen meint, dass Autos mit Diesel und Benzinmotoren nach 2030 nicht mehr neu zugelassen werden sollten. Mit 69 Prozent lehnt jedoch ein Großteil der Befragten ein Verbot ab. Zudem beschäftigt die Deutschen das Verhältnis zur Türkei. 62 Prozent finden es wichtig, dass Deutschland gute Beziehungen zu dem Land unterhält. Lediglich 24 Prozent betrachten gute Kontakte als nicht so wichtig, elf Prozent für überhaupt nicht wichtig.

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