Politik

Jens Spahn

Von unserem Korrespondenten

Hagen Strauß

Die Frage ist Jens Spahn zuletzt häufig gestellt worden: „Warum geben Sie nicht auf?“ Für jemanden, der vor 20 Jahren in der Abizeitung als Berufswunsch „Bundeskanzler“ angegeben hat, ist Aufgeben keine Option. Trotzdem hat Spahn die Frage immer brav beantwortet: Er gebe nichts auf Umfragen, denn entscheiden würden die Delegierten auf dem Parteitag. „Das Rennen ist offen.“

Der 38-Jährige ist ein Kämpfer. Bei den acht Regionalkonferenzen hat der Gesundheitsminister als einziger der drei Anwärter immer frei auf der Bühne gestanden und gesprochen; er hat sich nicht hinter das Rednerpult geklammert. So sollte der „#Neustart“, für den Spahn vor allem mit peppigen Videos auf Youtube- und Twitter warb, für die Basis erlebbar sein. Spahn hat meist als Erster die Stimmungen hinter den Fragen gewittert und mit einfachen Sätzen darauf reagiert. Das hat ihm viel Applaus eingebracht. Gerade beim Thema Flüchtlinge und Sicherheit.

Nur einer lag beim Beifall oft vor ihm: Friedrich Merz. Dessen Kandidatur hat Spahn kalt erwischt. Aus dem von ihm erhofften Zweikampf mit Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, der Merkel-Vertrauten, wurde überraschend ein Dreikampf. Bis zur Merz-Kandidatur galt Spahn als Hoffnungsträger der Konservativen, des Wirtschaftsflügels und der Jungen in der CDU. Denn Spahn hatte Angela Merkel ein ums andere Mal in der Zuwanderungsfrage Paroli geboten, zuletzt beim UN-Migrationspakt. Er werde als Erstes nach seiner Wahl zum Vorsitzenden in die AfD-Hochburgen gehen, „um möglichst viele Bürger für die CDU zurückzugewinnen“, so Spahn kess.

Doch kaum war Merz auf der Bühne, wendeten sich fast alle Unterstützer ab. Merz schien ihnen dann doch die sicherere Bank dafür zu sein, dass die Union wieder so wird, wie sie mal war: mit klarem Kurs und den alten Markenkernen. Die Zahl derer, die sich nun noch öffentlich zu Spahn bekennen, ist überschaubar geworden. Sogar Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, ein Förderer Spahns, hat sich auf die Seite von Friedrich Merz geschlagen.

Spahn will eine andere CDU. Eine, in der die Debatte wieder groß geschrieben wird. „Viele Mitglieder haben die letzten Jahre als bleiern empfunden, weil wichtige Fragen nicht richtig ausdiskutiert wurden“, betonte er. Was anfänglich wie ein frischer Wind daherkam, entpuppte sich freilich im Laufe der Bewerbung als Manko. Viele fragten Spahn nach seiner eigenen Haltung, wie beim Migrationspakt, Ja oder Nein? Die Antwort blieb aus. Womit sich die Frage nach den Führungsqualitäten stellte. Nun heißt es, Spahn sei jung. Er habe noch Zeit. Für jemanden wie ihn ist das allerdings nur ein schwacher Trost.