Politik

Myanmar Haftstrafen wegen Rohingya-Recherchen

Journalisten verurteilt

Archivartikel

Rangun.Trotz Appellen aus aller Welt sind in Myanmar zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Rangun verhängte gegen die beiden Männer gestern wegen des illegalen Besitzes von Staatsgeheimnissen jeweils sieben Jahre Gefängnis. Das Urteil löste international Kritik aus. In dem südostasiatischen Land regiert Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi zusammen mit dem Militär.

Das Gericht befand die Reporter Kyaw Soe Oo (28) und Wa Lone (32) für schuldig, sich bei Recherchen über Militärverbrechen an Angehörigen der muslimischen Minderheit der Rohingya illegal geheime staatliche Dokumente beschafft zu haben. Beide beteuerten bis zuletzt ihre Unschuld. Die Journalisten – beide selbst aus Myanmar – hatten vergangenes Jahr über die Tötung von zehn muslimischen Dorfbewohnern durch das Militär recherchiert.

Regel aus Kolonialzeiten

Das Gesetz gegen Geheimnisverrat, auf das sich das Urteil stützt, stammt noch aus britischen Kolonialzeiten – aus dem Jahr 1923. Richter Ye Lwin sagte, auch auf den Handys der Reporter seien geheime Dokumente gefunden worden.

Der Anwalt der Journalisten, Khin Maung Zaw, sagte zu dem Urteil: „Das ist schlecht für die Pressefreiheit. Das ist schlecht für die Demokratie. Das ist schlecht für Myanmar.“ Seit vergangenem Jahr wurden in Myanmar mindestens elf Journalisten verhaftet.