Politik

Juden wollen Verein in der AfD gründen

Archivartikel

Frankfurt.Jüdische Mitglieder in der AfD wollen Anfang Oktober im Rhein-Main-Gebiet eine bundesweite Vereinigung gründen. "Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die (...) muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen", schrieb Gründungsmitglied Dimitri Schulz am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Eine "Masseneinwanderung junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis" sei wegen deren "antisemitischer Sozialisation" jüdischem Leben in Deutschland abträglich.

Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ, Samstag) über die Pläne berichtet. Die Gründungsversammlung werde am 7. Oktober stattfinden, teilte Schulz mit. Räume in Offenbach seien angefragt, aber noch nicht bestätigt. Über den endgültigen Namen werde noch entschieden, vorläufig nenne man sich "JAfD". Zur Gründung kommen Schulz zufolge - neben 20 Gründungsmitgliedern - AfD-Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch und der hessische AfD-Sprecher Robert Lambrou. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach werde ein Grußwort sprechen.

Jüdisch und AfD-Mitglied zu sein, sei kein Widerspruch, findet Schulz. "Dass sich in den Reihen der AfD einzelne tatsächliche Antisemiten (...) finden, leugnen wir nicht; nur wird in der öffentlichen Wahrnehmung der Einfluss dieser einzelnen Mitglieder maßlos überschätzt."

Schulz ist nach eigenen Worten seit 2014 Mitglied der AfD und seit 2016 Stadtverordneter in Wiesbaden. Bei der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober tritt er im Wahlkreis 30 (Wiesbaden) für die AfD an. Er steht auf Platz 14 der Landesliste seiner Partei. Der Maschinenbauingenieur wurde 1987 in Kirgisistan geboren - als Kind einer christlich-jüdischen Familie in einem muslimischen Land.

Wie viele Juden AfD-Mitglieder sind, weiß die Parteiführung nicht. AfD-Bundesvorstandsmitglied Joachim Kuhs sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: "Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg waren vier unserer Direktkandidaten jüdischen Glaubens." Er könne die Sorge jüdischer Mitbürger vor einer "muslimischen Einwanderung" verstehen, da viele dieser Zuwanderer antisemitische Positionen verträten. Kuhs ist einer der Vorsitzenden der "Christen in der AfD".

Zu den prominenteren jüdischen Mitgliedern der Partei zählt Wolfgang Fuhl aus Baden-Württemberg. Er hatte 2016 in einem Interview berichtet, für sein politisches Engagement erhalte er vor allem Zuspruch von russischsprachigen Juden. Sie sähen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung größtenteils kritisch.

Das berichtete auch Schulz: Inzwischen habe "beinahe jeder Jude in Deutschland zumindest aus seinem Bekanntenkreis von durch muslimische Jugendliche verübten Drangsalierungen und womöglich sogar Schlimmerem erfahren", argumentiert er. Die JAfD gehe aber "nicht davon aus, Unterstützung vonseiten des Zentralrats zu erhalten".

Das ehemalige Zentralratsmitglied Michel Friedman ist überzeugt, "dass für Bürger jüdischen Glaubens die AfD die falsche Partei ist". Es handle sich um eine Partei, "in der Judenhass und die Relativierung des Holocaust in Teilen der Führung ein Zuhause hat", sagte der Frankfurter Publizist der "FAZ" (Dienstag). "Sie ist autoritär und antidemokratisch. Deswegen ist diese Partei nicht nur für Juden, sondern für jeden Demokraten der falsche Ort."

Schulz hingegen ist überzeugt, "dass eine Allianz der Rechtskonservativen in Europa mit dem Judentum äußerst naheliegt". An den anderen Parteien stört ihn auch, dass sie "linksradikale und islamistische Organisationen in Israel" unterstützen und der "Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie gelassen zusehen".