Politik

Politbarometer II (August I 2017/KW 32)

K-Frage: Amtsinhaberin 30 Prozentpunkte vor Herausforderer

Arbeit der Bundesregierung; Alternative Schwarz-Gelb bzw. Rot-Rot-Grün

 

Wenn auch unterm Strich weiter klar positiv, bescheinigen auch „alles in allem gesehen“ erneut weniger Deutsche der Bundesregierung eher gute Arbeit: Für 68% (Jul-I: 77%; Jul-II: 74%) der Befragten ist die Gesamtbilanz von Schwarz-Rot eher positiv, 24% (Jul-I: 17%; Jul-II: 20%) sprechen von eher schlechter Arbeit. 

Gleichzeitig sehen die meisten Bundesbürger im Vergleich zur aktuellen Koalition in Schwarz-Gelb oder Rot-Rot-Grün keine gewinnbringende Alternative. Speziell bei Rot-Rot-Grün befürchten zahlreiche Befragte eine qualitative Verschlechterung von Regierungsleistungen. So würden sich von einer Regierung aus CDU/CSU und FDP nur 19% bessere Arbeit erwarten, 20% sagen „dann schlechter“ und 53% „kein Unterschied“. Wären SPD, Linke und Grüne am Ruder, prognostizieren ähnlich wie bei Schwarz-Gelb nur 18% bessere Arbeit. 47% meinen „schlechter“ und für 26% würde eine rot-rot-grüne Regierung leistungsbezogen keinen Unterschied ausmachen. 


Arbeit der Bundeskanzlerin

 

Neben der Bundesregierung insgesamt wird auch die Arbeit der Regierungsspitze klar positiv bewertet, wobei sich die Zustimmungswerte zu Angela Merkel konträr zur Großen Koalition auf unverändert hohem Niveau bewegen. Leicht über dem Schnitt der gesamten Legislaturperiode bescheinigen aktuell 77% (Jul-I: 82%; Jul-II: 77%) der Befragten Angela Merkel „alles in allem eher gute Arbeit“ als Bundeskanzlerin, 19% (Jul-I: 15%; Jul-II: 18%) sind gegenteiliger Meinung.

 

K-Frage: gewünschte/r Bundeskanzler/in

 

Wenig Bewegung in der K-Frage: Ohne große Veränderungen zum Vormonat, und ähnlich souverän wie sechs Wochen vor der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013, liegt die Amtsinhaberin jetzt 30 Prozentpunkte vor ihrem Herausforderer. Aktuell wünschen sich 60% (Jul-I: 59%; Jul-II: 59%) der Befragten lieber Angela Merkel als Bundeskanzlerin, 30% (Jul-I: 30%; Jul-II: 30%) der Deutschen sähen lieber Martin Schulz im höchsten Regierungsamt, 10% (Jul-I: 11%; Jul-II: 11%) können oder wollen sich nicht festlegen.

Während dabei mit 97% praktisch alle Unions-Anhänger Merkel favorisieren, plädieren im SPD-Lager nur 66% der Befragten für Schulz, 29% der potenziellen SPD-Wähler sind in der K-Frage für Merkel. Unter Linken-Anhängern sind 56% für Schulz und 31% für Merkel als Bundeskanzler/in, unter Grünen-Anhängern gibt es mit 47% für Merkel und 42% für Schulz keinen echten Favoriten. Unter FDP-Anhängern wünschen sich 76% Merkel als Bundeskanzlerin, 15% sind hier für Schulz, im AfD-Lager sind 31% für Merkel und 49% für Schulz.

Wichtigste Themen bei der Wahlentscheidung

 

Die thematisch bedeutendsten Wahlmotive der Deutschen liegen in den Bereichen Soziale Gerechtigkeit, Bildung und Schule sowie Alterssicherung: Wenn sich die Deutschen für zwei der für sie persönlich wichtigsten Themen entscheiden sollen, entfallen 45% aller Nennungen auf „Soziale Gerechtigkeit“, 45% auf „Bildung und Schule“ sowie 42% auf „Rente und Alterssicherung“. Dass für sie „Flüchtlinge und Asyl“ bei der Wahlentscheidung das wichtigste oder zweitwichtigste Thema ist, sagen 28%, nur 18% entfallen auf den Bereich „Wirtschaft“ und 17% auf „Kriminalität“. Im Detail hat die Soziale Gerechtigkeit dabei für SPD-, Linke- und Grüne-Anhänger nochmals weit überdurchschnittlich hohe Bedeutung, wogegen sie im Unions-, FDP- und AfD-Lager nicht die Hauptrolle spielt. Vielmehr heißen die Top-Themen der Unions- und FDP-Anhänger Bildung und Rente, im AfD-Lager haben Flüchtlinge und Asyl sowie die Kriminalität weit überproportional viel Gewicht bei der Wahlentscheidung. 


Beurteilung von Spitzenpolitikern in Deutschland

 

Im Einzelnen ergibt sich in den letzten Monaten folgende Entwicklung:
Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker:

Anfang August gibt es in den Politbarometer Top 10 einen negativen Gesamttrend: Sechs der zehn nach Meinung der Deutschen wichtigsten Politikerinnen und Politiker werden jetzt schlechter bewertet als Ende Juli, verbessern kann sich niemand. Besonders deutliche Imageeinbußen haben Thomas de Maizière und Angela Merkel. Dennoch hält die Bundeskanzlerin – wenn auch weniger souverän als zuletzt – ihre Spitzenposition. Auf der +5/-5-Skala (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) erreicht Angela Merkel jetzt den Durchschnittswert 1,8, was sich bei nur leicht gesunkener Reputation in den eigenen Reihen primär mit deutlich weniger guten Noten in allen anderen Anhängerschaften erklärt. Auf Platz zwei liegt weiterhin Wolfgang Schäuble (1,6), Sigmar Gabriel (1,0) verbessert sich mit stabiler Bewertung um zwei Positionen auf Rang drei, Christian Lindner (0,8) hält trotz klarer Imageeinbußen Platz vier. Dahinter folgen bei Bewertungsunterschie-den im Hundertstelbereich Cem Özdemir (0,7) und Thomas de Maizière (0,7), dann Martin Schulz (0,6) vor Horst Seehofer (0,5), auf den Plätzen neun und zehn liegen in Rang und Note unverändert Ursula von der Leyen (0,3) und Sahra Wagenknecht (-0,3). 

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