Politik

USA Demokratin könnte Bewerber für Präsidentenwahl aus dem Feld schlagen

Kamala Harris ragt heraus

Archivartikel

Washington.Selten traten so viele Bewerber für die Präsidentschaft-Nominierung der Demokraten an wie in diesem Jahr. Aus dem unübersichtlichen Feld ragt eine Senatorin heraus, die viele mit Barack Obama vergleichen. Kamala Harris (54) wird das Zeug zugetraut, Donald Trump zu schlagen und als erste Frau ins Weiße Haus zu ziehen.

Die Parallelen zur Kandidatur Barack Obamas drängen sich förmlich auf. Wie dieser stammt Harris aus dem amerikanischen Schmelztiegel, der ihre Mutter, eine Krebsforscherin aus Indien, und ihren Vater, einen Wirtschaftswissenschaftler aus Jamaika, in Kalifornien zusammengebracht hat. Ihr Vorname ist in den USA so ungewöhnlich wie der Obamas. Weshalb sie nicht müde wird, den Amerikanern seine Aussprache beizubringen: „Komma-La“. Selbst ihre Karriere weist Ähnlichkeiten auf. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der schwarzen Elite-Hochschule „Howard University“ in Washington und der „University of California“ stieg sie in kurzer Zeit von ihrer Position als Staatsanwältin zur Chefanklägerin des größten US-Bundesstaates auf. Das war im Jahr 2010.

Sechs Jahre später saß Harris bereits als Nachfolgerin der Demokratin Barbara Boxer im US-Senat. In kürzester Zeit machte sich Harris durch ihre Fragen bei Anhörungen von Mitgliedern der Regierung Donald Trumps einen Namen. Dessen früherer Justizminister Jeff Sessions beschwerte sich bei einem Kreuzverhör zur Russland-Affäre über das Tempo der Fragen von Harris. „Das macht mich nervös.“

Erst seit zwei Jahren im Senat

Wie Obama warf sie nach nur zwei Jahren auf dem Kapitolhügel ihren Hut für die Präsidentschaft-Kandidatur in den Ring. Im Januar kamen mehr als 20 000 Menschen ins Zentrum der kalifornischen Arbeiterstadt Oakland, um ihre Vision zu hören. Das waren fast doppelt so viele, wie Bernie Sanders in Brooklyn auf die Beine brachte.

Die außerhalb Kaliforniens noch vielfach unbekannte Harris steht nun vor der Aufgabe, auch USA-weit eine Marke zu werden. Ganz klassisch setzt sie dafür auf TV-Spots, Interviews und natürlich die obligatorische Autobiografie. Darin entfaltet die Senatorin auch ihre Programmatik. Wie ihre Mitbewerberin Elizabeth Warren und Bernie Sanders will sie eine staatliche Gesundheitsversicherung für alle schaffen. Harris plant darüber hinaus eine massive Steuerreform mit Zuschüssen für Bezieher geringer Einkommen und eine Anhebung des Mindestlohns. Und sie unterstützt einen „New Green Deal“, die Umwelt und Klima ins Zentrum rückt.

In dem dichten Gedränge des Bewerberfelds der Demokraten ist die links der Mitte aufgestellte Zentristin strategisch gut positioniert. Sie hätte am meisten von einem Einstieg Joe Bidens in das Rennen zu befürchten, da der ehemalige Vizepräsident im selben Teich fischt. Der renommierte Kolumnist der „New York Times“, David Brooks, glaubt dass Harris Trump schlagen könnte.