Politik

Bootsflüchtlinge Inseln fühlen sich im Stich gelassen

Kanaren begehren auf

Las Palmas/Madrid.Die dramatische Migrationskrise auf den Kanarischen Inseln bringt die lange zögerliche Regierung Spaniens in die Bredouille. „Die Regierung schaut weg“, schimpfte der konservative Oppositionsführer Pablo Casado bei einem Besuch am Samstag auf Gran Canaria. Obwohl Ministerpräsident Pedro Sánchez mehrere Wochen nach Krisenbeginn „endlich aufwachte“ – wie ein TV-Kommentator sagte – und den Bau von Notlagern für mehrere Tausend Migranten ankündigte sowie eine diplomatische Offensive zur Abschiebung der Neuankömmlinge startete, wurde der Regierungschef auch aus den eigenen, sozialistischen Reihen attackiert.

Explosive Stimmung

Seit Wochen wagen immer mehr Afrikaner die gefährliche Überfahrt auf die Kanaren. In diesem Jahr trafen bereits mehr als 18 000 Menschen in kleinen offenen Holzbooten dort ein. Das bedeutet eine Steigerung von 1000 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein 9000 kamen in den vergangenen vier Wochen an.

Regionalpolitiker warnten nach Protestdemos vor einer „sozialen Explosion“ auf den Kanaren und klagten, Rettungsdienste und Polizei seien völlig überfordert. „Der Staat lässt die Kanaren im Stich“, titelte am Wochenende groß die Regionalzeitung „Canarias7“. Regionalpräsident Ángel Víctor Torres kritisierte: „Die Kanaren lehnen sich auf und wehren sich dagegen, der einzige Ort Spaniens zu sein, der die gesamte Migration Europas aufnehmen soll.“ dpa

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