Politik

„Karibisches“ Personal-Roulette

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Berlin.Nach der Bundestagswahl gibt es nur zwei mögliche Regierungen: die große Koalition oder Jamaika. Die SPD hat der Union schon eine Absage erteilt. Sollte es mit CDU, CSU, FDP und Grünen klappen, wer würde im vierten Merkel-Kabinett regieren? Eine Übersicht:

Angela Merkel (CDU/63)

Bleibt Kanzlerin - auch wenn ihre CDU über acht Prozentpunkte im Vergleich zu 2013 einbüßte. Merkel dürfte pragmatisch sein. Kohle-Ausstieg? Könnten die Grünen bekommen. Ausstieg aus Diesel und Benzinern? Eher nicht. Da würden ihr CSU-Chef Horst Seehofer und die Autolobby aufs Dach steigen. Apropos Seehofer. Er stürzte in Bayern unter 40 Prozent mit der CSU ab. Ein Jahr vor der Landtagswahl könnte es ihm schwerfallen, mit den Grünen zu regieren. Das schränkt Merkels Beinfreiheit ein.

Wolfgang Schäuble (CDU/75)

Norbert Lammerts (CDU) Nachfolge als Bundestagspräsident übernimmt der bisherige Finanzchef Wolfgang Schäuble. Der dienstälteste Abgeordnete gilt als leidenschaftlicher Parlamentarier.

Peter Altmaier (CDU/59)

Merkels Allzweckwaffe. Auch bei den Verhandlungen über ein Jamaika-Bündnis und darüber hinaus dürfte er eine wichtige Rolle spielen. Ihm wird jederzeit ein Ministerposten zugetraut.

Ursula von der Leyen (CDU/58)

Ihr PR-getriebener Umgang mit den rechten Skandalen in der Truppe hat ihr Macherin-Image angekratzt. Seitdem begegnen ihr viele in der Bundeswehr mit Misstrauen. Sie würde gern im Amt bleiben. Eine wichtige Rolle wird sie auch in Zukunft spielen.

Thomas de Maizière (CDU/63)

In der Flüchtlingskrise geriet der Innenminister unter Druck, weil es im zuständigen Bundesamt nicht rund lief. Da Schäuble seinen Posten räumen wird, könnte de Maizière das Haus der Zahlen reizen. In Sachsen war er von 2001 bis 2002 Finanzminister. Ansonsten wieder Kanzleramtsminister?

Andreas Scheurer (CSU/42)

Sollte die CSU in einer künftigen Koalition drei Ministerien besetzen dürfen, könnte der Generalsekretär von Seehofer mit einem Ministerposten belohnt werden.

Joachim Herrmann (CSU/61)

Bayerns Innenminister war der Spitzenkandidat der CSU. Ziel von CSU-Chef Horst Seehofer ist es, für Herrmann das Bundesinnenministerium zu "erobern". Unklar ist, ob das gelingt. Da Herrmann nun trotz Listenplatz eins kein Bundestagsmandat erhält, dürfte es schwierig werden.

Gerd Müller (CSU/62)

Die Arbeit des bisherigen Entwicklungsministers Gerd Müller wird nicht nur CSU-intern geschätzt. Der Schwabe kann durchaus auf eine Verlängerung im Bundeskabinett hoffen.

Christian Lindner (FDP/38)

Der FDP-Chef trat in der "Elefantenrunde" nach der Wahl selbstbewusst auf. Lindner, der im Muskelshirt die coolste Kampagne aller Spitzenleute organisierte, wird - erst einmal - Fraktionschef der Liberalen im Bundestag.

Wolfgang Kubicki (FDP/65)

Das einstige "Enfant terrible" der FDP könnte sein heiß geliebtes Schleswig-Holstein verlassen und nach Berlin wechseln. Nach Lindner ist er die Nummer zwei bei den Liberalen. Der Steuerstrafanwalt traut sich das Finanzministerium zu, Wirtschaft ist auch denkbar.

Alexander Graf von Lambsdorff (FDP/55)

Er ist der Europa-Experte der FDP und einer der Vize-Präsidenten des EU-Parlaments. Wäre für das Außenministerium fachlich prädestiniert, müsste sich in Koalitionsverhandlungen erst beweisen.

Nicola Beer (FDP/47)

Die frühere hessische Kultusministerin könnte für das Bildungsressort infrage kommen. Konkurrenz gibt es aus den eigenen Reihen: Hamburgs FDP-Frontfrau Katja Suding.

Cem Özdemir (GRÜNE/51)

Parteichef will der Spitzenkandidat nicht mehr werden. Er gilt schon lange als möglicher Außenminister. Sollten nur zwei Ministerien an die Grünen gehen, könnte Özdemir kaum mit Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt ins Kabinett - der linke Parteiflügel würde einen Posten beanspruchen. Dann oder wenn Jamaika scheitert, käme der Fraktionsvorsitz für ihn infrage.

Katrin Göring-Eckardt (GRÜNE/51)

Die Spitzenkandidatin hat im Wahlkampf ein "Superministerium" für Verbraucher-, Umwelt- und Klimaschutz, Landwirtschaft, Energie und Digitalisierung gefordert - und das solle grün besetzt werden. Von ihr selbst? Göring-Eckardt hat außerdem ein sozialpolitisches Profil.

Anton Hofreiter (GRÜNE/47)

In Kombi mit dem Agrar- oder Verkehrsministerium, das der linksgrüne Fraktionschef besetzen könnte, könnten die Grünen etwas bewegen.

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