Politik

Kehrseite

Gerhard Kneier gibt zu bedenken, dass der Zusammenschluss von Kliniken kein Allheilmittel ist

Es sind die Gesetzesänderungen, die dazu führen, dass sich Krankenhäuser immer wieder aus wirtschaftlichen Gründen zusammenschließen. So müssen Kliniken wegen der Qualitätssicherung inzwischen eine Mindestzahl von Operationen im Jahr vorweisen, um diese weiter ausführen zu dürfen. Nur so ist nach Auffassung des Gesetzgebers sichergestellt, dass diese im Interesse des Patienten auch mit der notwendigen Erfahrung der Krankenhausärzte erfolgen. Noch älter ist die Umstellung der Bezahlung der Kliniken durch Fallpauschalen anstelle der früher ausschlaggebenden Verweildauer.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass gerade kleinere Kliniken diese Kriterien oft nicht erfüllen können und somit in wirtschaftliche Bedrängnis geraten. Das wiederum bedeutet gerade im ländlichen Raum vielfach ein Krankenhaussterben mit der Folge langer Wege für die Patienten. Natürlich ist eine Fusion oder zumindest ein Verbund allemal besser als die Schließung. Doch ein Allheilmittel sind derartige Zusammenschlüsse auch nicht. Was nützt eine Fusion, wenn am Ende doch das kleinere Krankenhaus von der Bildfläche verschwindet, wie letztes Jahr im südhessischen Lindenfels? Wichtig ist daher im Fall der Fälle ein exakt austariertes System vertraglicher Vereinbarungen, denen natürlich ein entsprechendes Zukunftskonzept vorausgehen muss. Natürlich können Krankenkassen und Politiker nicht einfach die Augen verschließen, wenn die Kosten ins Unermessliche steigen. Das Wohl der Patienten und die Sicherung der Versorgung muss aber immer Vorrang vor allein wirtschaftlichen Erwägungen haben.