Politik

Nordkorea Erkenntnisse der US-Geheimdienste deuten auf eine Fortsetzung des Atomwaffen- und Raketenprogramms hin

Kim lässt heimlich weiterbauen

Archivartikel

Washington.Die Satellitenaufnahmen zeigen rege Aktivitäten auf dem Gelände der großen Forschungseinrichtung Sanumdong am Stadtrand von Pjöngjang. „Wir sehen, dass sie zur Arbeit gehen, wie zuvor“, interpretiert ein Geheimdienstmitarbeiter die Fotos der National Geospatial-Intelligence Agency gegenüber der Tageszeitung „Washington Post“. Zusammen mit anderen Erkenntnissen der US-Dienste seien dies klare Hinweise auf Arbeiten an weiteren Langstreckenraketen.

In Sanumdong hatten die Nordkoreaner zwei mit Flüssig-Treibstoff angetriebene Interkontinentalraketen vom Typ Hwasong-15 gebaut. Unabhängige US-Analysten wie Joel Witt von der Organisation North 38 sagen, die Tests dieser Raketen hätten gezeigt, dass sie Ziele an der Ostküste der USA erreichen könnten. „Sie haben die Antriebe hinbekommen, aber noch nicht die anderen hoch-technologischen Herausforderungen.“

Experten vermuten, Nordkorea arbeite in Sanumdong an dem problematischen Verfahren, einen auf die Langstreckenrakete montierten Sprengkopf beim Wiedereintritt in die Atmosphäre nicht verglühen zu lassen. Verdächtig sei, dass auf den Aufnahmen dieselben Sattelschlepper zu sehen seien, mit denen Nordkorea schon in der Vergangenheit seine Interkontinental-Raketen transportierte.

Die Enthüllungen kommen wenige Wochen, nachdem US-Präsident Trump behauptete, Nordkorea sei dank seiner Vereinbarung mit dessen Diktator Kim Jong-Un beim Gipfel von Singapur „nicht länger eine nukleare Bedrohung“. Tatsächlich hatte Kim nur eine sehr allgemeine Absichtserklärung unterschrieben, in der Beobachter nicht mehr als Startpunkt für weitere Verhandlungen sehen.

„Sie haben ihr Nuklear-Programm nicht aufgegeben“, sagt Ken Gause vom Center for Naval Analysis. Von etwas anderem auszugehen, sei von Anfang an „blauäugig“ gewesen. Darauf deuten auch andere Erkenntnisse der US-Geheimdienste hin, die seit dem Gipfel durchsickerten. Demnach hätten Offizielle des Regimes in Pjöngjang Wege beraten, wie sie die USA über die tatsächliche Zahl ihrer Sprengköpfe und Raketen und Inspektoren täuschen könnten.

Iran weist Vorschlag zurück

Diese Enthüllungen werfen Fragen über den Wert einer Begegnung mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani auf. „Ich würde mich sicherlich mit Iran treffen,“ hatte Trump in Washington nach einem Besuch des italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte erklärt. Im Unterschied zu Nordkorea gibt es mit Iran ein Atomwaffen-Kontrollabkommen, aus dem die USA einseitig ausgestiegen sind. Teheran wies Trumps Idee umgehend zurück und verlangte, vorher müsste Trump den Ausstieg rückgängig machen.