Politik

Report 2017 Den meisten Familien geht es wirtschaftlich gut - aber bei Alleinerziehenden steigt das Armutsrisiko

Kinder, Geld und gestresste Eltern

Berlin.In Deutschland gibt es wieder mehr Kinder. 13 Millionen unter 18-Jährige leben in Deutschland, heißt es im neuen Familienreport 2017 des Bundesfamilienministeriums. Laut Statistik hat die Geburtenrate mit 1,5 Kindern je Frau im Vergleich zu den letzten 25 Jahren einen Höchststand erreicht. In den allermeisten Familien sind Mama und Papa verheiratet. Drei Viertel der Kinder wachsen mit mindestens einem Geschwisterkind auf.

Den meisten Familien in Deutschland geht es wirtschaftlich gut. Laut Report sind die durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Familien zwischen 2004 und 2014 um rund 23 Prozent gestiegen. Doch viele wünschen sich mehr Zeit für die Kinder und weniger Stress im Alltag. Zum Beispiel die Mütter und Väter, die frühmorgens in die Kita hetzen, dann ins Büro rasen, arbeiten und wieder zurück in die Kita rennen. Der Sandwich-Generation, also den in der Regel Berufstätigen zwischen Mitte 30 und Mitte 50, läuft die Zeit regelrecht davon. Ein Grund: Ausreichend Betreuungsplätze für Kleinkinder fehlen - für Grundschüler ohnehin.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sieht die Politik in der Pflicht, bessere Bedingungen zu schaffen - etwa in der Kinderbetreuung. "Jeder Euro, den wir in gute Kitas, Ganztagsschulen und Horte investieren, zahlt sich mehrfach aus", sagt Barley. Sie plädiert beispielsweise für ein Recht auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder. In der nächsten Legislaturperiode will sie sich für ein solches Gesetz starkmachen. Dem Bericht nach müssten mindestens 280 000 neue Plätze geschaffen werden, um Kinder unter 12 Jahren auch nach der Schule zu betreuen.

Ohne Betreuung fällt Arbeiten schwer. Und ohne Job fehlt Einkommen und damit steigt auch das Armutsrisiko. Schon wenn nur ein Elternteil in Vollzeit arbeitet, sinkt das Armutsrisiko auf 15 Prozent, heißt es laut Statistik. Gibt es ein weiteres Einkommen wenigstens aus einer Teilzeitbeschäftigung, liegt die Quote nur noch bei fünf Prozent.

Der Report zeigt aber auch: Immer mehr Kinder sind von Armut bedroht. Zum Beispiel bei den Alleinerziehenden. Ihre Zahl liegt heute deutlich höher als etwa noch Anfang der 1990er Jahre. Derzeit gibt es rund 1,6 Millionen Ein-Eltern-Familien. Damit leben 2,3 Millionen Kinder entweder bei Mama oder Papa. Die Statistiker gehen bei rund 44 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden aus, deren Armutsrisiko mehr als viermal so hoch ist wie bei Paarfamilien mit einem oder zwei Kindern. Auch Familien mit drei und mehr Kindern gelten mit 25 Prozent als überdurchschnittlich armutsgefährdet. Das Risiko steigt zudem für Kinder mit Migrationshintergrund. Unter "selbst eingewanderten Minderjährigen" stieg die Armutsrisikoquote von 2011 bis 2015 von 36 auf 49 Prozent.

Insgesamt gelten rund 2,8 Millionen Kinder als armutsgefährdet. Die Armutsrisikoquote stieg damit im Vergleich zu 2010 um 1,5 Punkte auf 19,7 Prozent. Als armutsgefährdet gelten Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung ausmacht.