Politik

Knapp die Hälfte sehen Klimaschutz als wichtigstes Problem

Die wichtigsten Themen in Deutschland

Aus Sicht der Befragten ist der Bereich Umwelt und Klimaschutz aktuell das mit Abstand wichtigste Problem in Deutschland. Bei der ohne Antwortvorgaben gestellten Frage mit bis zu zwei Angaben nennen in dieser Woche 45% der Wahlberechtigten dieses Thema. Damit wird das Thema Flüchtlinge, Ausländer, Integration (23%) deutlich auf Platz zwei der Agenda verdrängt. Es folgen: Soziale Gerechtigkeit/soziales Gefälle (12%), der Zustand der Bundesregierung bzw. der Regierungsparteien (10%), Rente und Alterssicherung (10%). Für 9% sind Themen die unter Politik(er)verdruss zusammengefasst werden am dringlichsten, für 7% Bildung/Schule, für 6% Mieten/Wohnungsmarkt. Für jeweils 5% stehen Arbeitslosigkeit/fehlende Jobs und Gesundheitswesen/Pflege ganz oben auf der Agenda. 

Politischer Kurs der SPD

42% aller Befragten (Mai: 48%) und 45% der SPD-Anhänger sind der Meinung, dass in den letzten Monaten linke Positionen in der SPD an Bedeutung gewonnen haben. 44% (Mai: 39%) verneinen dies, bei den SPD-Anhängern 47%. 14% (Mai: 13%) geben darauf keine Antwort (SPD-Anhänger: 8%).  

35% der Befragten (Mai: 33%) und 44% der SPD-Anhänger glauben, dass eine Ausrichtung der SPD nach links für die Partei eher hilfreich ist. 39% (Mai: 38%) aller und 35% der SPD-Anhänger gehen von eher negativen und 19% (Mai: 20%; SPD-Anhänger: 19%) von keinen großen Auswirkungen eines solchen Kurses aus. 

Rücktritt von Andrea Nahles

Andrea Nahles hat Anfang der Woche sowohl ihr Amt als SPD-Parteivorsitzende als auch Fraktionsvorsitzende abgegeben, uneins sind sich die Befragten, welche Auswirkungen dies auf die Zukunft der SPD hat. 31% sind der Meinung, der Rücktritt ist für die Zukunft der SPD eher gut, 36% sagen „eher schlecht“ und 27% sind der Meinung, dies hat keine großen Auswirkungen auf die Zukunft der Sozialdemokratie (weiß nicht: 6%). Ähnlich wird dies auch von den SPD-Anhängern gesehen: gut: 36%; schlecht: 39%; keine Auswirkungen: 23% (weiß nicht: 2%). 

Zukunft der SPD: Erholt sie sich und Regierung vs. Opposition?

Und auch die Frage, ob sich die SPD wieder erholen wird, kann von den Befragten nicht eindeutig beantwortet werden: Die Hälfte geht davon aus, dass die SPD wieder aus dem Tief kommt, 46% sind eher skeptisch (weiß nicht: 4%). Optimistisch ist die Mehrheit der eigenen Anhänger: Mehr als drei Viertel (78%) sind der Meinung, die SPD erholt sich, 20% glauben das nicht (weiß nicht: 2%).  

Bei der Frage, was für die SPD besser wäre, sprechen sich 53% aller Befragten (November-I 2018: 57%) und 48% der SPD-Anhänger für den Gang in die Opposition aus, 41% aller Wahlberechtigten (November-I 2018: 34%), aber die Hälfte der SPD-Anhänger geht davon aus, dass es für die SPD besser wäre, in der Bundesregierung zu bleiben (weiß nicht: 6% bzw. 2%).  

Politischer Kurs der CDU

Auch die Kursentwicklung der CDU ist für die Befragten nicht eindeutig erkennbar: 47% in der Gesamtheit (Mai: 44%) und 43% der CDU/CSU-Anhänger sind der Ansicht, dass traditionell-konservative Werte in den letzten Monaten bei der CDU eine stärkere Rolle spielen. 47% der Unionsanhänger und 44% aller Befragten (Mai: 45%) teilen diese Meinung nicht, 9% antworten mit „weiß nicht“ (CDU/CSU-Anhänger: 10%). 

Etwas weniger Befragte (27%) als vor vier Wochen (Mai: 32%) gehen davon aus, dass ein traditionell-konservativerer Kurs für die CDU eher hilfreich ist. 40% (Mai: 31%) sind der Ansicht, ein solcher Kurs schadet der CDU und 25% (Mai: 29%) sind der Meinung, es wird kaum Auswirkungen geben (weiß nicht: 8%). In der Anhängerschaft der Union sind 35% überzeugt, dass eine traditionell-konservativere Ausrichtung der CDU eher nutzt, jeweils 30% gehen von einem Schaden oder nur geringen Auswirkungen aus (weiß nicht: 5%).

Annegret Kramp-Karrenbauer: CDU-Zukunft und Eignung als Kanzlerin

In der Bevölkerung überwiegen mittlerweile die Zweifel, dass Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU erfolgreich in die Zukunft führt: Dies glauben nach 41% im März aktuell nur noch 18% aller Befragten, 73% glauben das nicht (März-II: 44%). Auch der Anteil im Unionslager hat sich mehr als halbiert: Hier war die Mehrheit von 60% im März noch optimistisch, jetzt sind es lediglich noch 27%, 64% (März-II: 31%) äußern sich pessimistisch. 

Auch die Zahl derer, die Annegret Kramp-Karrenbauer das höchste Regierungsamt zutrauen, hat sich deutlich reduziert: Nur noch 18% (März-II: 34%; Dezember 2018: 38%) aller Befragten und 28% der CDU/CSU-Anhänger attestieren ihr diese Qualifikation. Umgekehrt finden nach 41% im Dezember und 51% im März jetzt 71%, dass Kramp-Karrenbauer für dieses Amt nicht geeignet ist, 11% (März-II: 15%; Dezember 2018: 21%) wollen oder können das nicht abschätzen. Im Detail finden lediglich 28% der Unions-, 18% der SPD-, 12% der AfD-, 16% der FDP-, 13% der Linke- und 11% der Grünen-Anhänger, dass Kramp-Karrenbauer das Zeug zur Kanzlerin hat. 

Grüne: Moderne, bürgerliche Politik und wird ihre Stärke anhalten?

Für 59% der Deutschen stehen die Grünen für eine moderne, bürgerliche Politik. Gut ein Drittel (36%) sieht das nicht so (weiß nicht: 5%). Neben 92% der Grünen-Anhänger bejahen dies auch 63% der SPD- und 60% der Linke-Anhänger. Während die Anhänger der Union sich nicht eindeutig äußern (ja: 46%; nein: 48%), wird dies von den meisten Anhängern der AfD (83%) und der FDP (56%) verneint.

Die Stärke der Grünen, die sie bei den letzten Wahlen unter Beweis gestellt hat, wird länger anhalten, davon sind zwei Drittel aller Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften, außer der AfD, überzeugt: CDU/CSU: 62%; SPD: 62%; FDP: 56%; Linke: 54%; Grüne: 89%. 

Flüchtlinge: Verkraften des Aufkommens

Die optimistische Grundeinstellung der Deutschen zur Flüchtlingsproblematik hält in der Gesamtheit weiter an: Eine Mehrheit von 64% (März-II: 63%) ist der Meinung, dass Deutschland die vielen Flüchtlinge verkraften kann, ein Drittel wie schon im März glaubt, dass unser Land dies nicht verkraftet. Nach wie vor gibt es bei dieser Frage deutliche Ost-West-Unterschiede: Im Westen bewerten diese Situation 68% optimistisch, im Osten 51%; 45% (Osten) bzw. 30% (Westen) sind weiterhin skeptisch. 

Klimaschutz in Deutschland

Wie schon im letzten Monat sehen 68% aller Bundesbürger ein Defizit beim Klimaschutz in Deutschland. Jeder Fünfte (21%; Mai: 19%) hält das Engagement für den Klimaschutz in Deutschland für „gerade richtig“, 8% sind der Meinung es wird zu viel getan (Mai: 12%).

Bewertung einer CO2-Steuer

Obwohl die Deutschen beim Klimaschutz klare Defizite sehen, lehnen sie die Einführung einer CO2-Steuer nach wie vor mehrheitlich (58%; Mai: 61%) ab. 38% befürworten (Mai: 35%) die Einführung einer solchen Steuer (weiß nicht: 4%). Nur bei den Anhängern der Grünen ist eine Mehrheit (66%) für die CO2-Steuer, in den Anhängerschaften von CDU/CSU (71%), SPD (58%), AfD (85%), FDP (64%) und Linke (53%) stößt der Vorschlag auf deutliche Ablehnung. 

Kohleausstieg

Der geplante Ausstieg aus der Kohle bis 2038 geht 40% zu langsam, 37% befürworten dieses Szenario und 16% sind der Meinung, Kohlekraftwerke sollten zur Stromgewinnung länger laufen (weiß nicht: 7%). Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: Im Westen sind 43% der Meinung, der Ausstieg ist zu langsam (zu schnell: 15%; gerade richtig: 36%), im Osten teilen nur 28% diese Meinung und einem Viertel (24%) geht es zu schnell (gerade richtig: 41%). 

Ausbau erneuerbarer Energien

Der Ausbau erneuerbarer Energien geht 60% der Bevölkerung zu langsam, für 6% erfolgt der Ausbau zu schnell und für 30% ist das Tempo „gerade richtig“. Für 62% im Westen und 48% im Osten ist die Geschwindigkeit, mit der der Ausbau betrieben wird, zu langsam, zu schnell ist sie für 4% im Westen, aber für 12% im Osten der Republik (gerade richtig: West 30%; Ost: 33%). 

Ost/West: Mehr Unterschiede oder mehr Gemeinsamkeiten?

30 Jahre nach der Wiedervereinigung werden in Deutschland zwischen Ost und West mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten wahrgenommen. Dieser Ansicht sind sowohl die Befragten im Westen als auch im Osten der Republik: 55% (September-II 2018: 46%) der Befragten in den alten Ländern finden die Unterschiede zwischen dem Osten und Westen Deutschlands dominierend, 38% (September-II 2018: 50%) sehen mehr Gemeinsamkeiten. Bei den Befragten in den neuen Ländern sehen zwei Drittel hauptsächlich Unterschiede, für 31% stehen die Gemeinsamkeiten in beiden Teilen Deutschlands im Vordergrund. 

Wer hat mehr profitiert?

Wenn es darum geht, wer von der Einheit am meisten profitiert hat, haben die Befragten ebenfalls recht verschiedene Meinungen: Wobei sich der Anteil der Westdeutschen, die finden, dass aus der Einheit eher für die Ostdeutschen Vorteile entstanden sind, im Vergleich zu 2015 deutlich reduziert hat (38%; September-II 2015: 54%), 32% (September-II 2015: 31%) meinen, Ost- und Westdeutsche haben in ähnlicher Weise profitiert, 15% (September-II 2015: 7%) sehen darin vor allem einen Gewinn für die Westdeutschen (keiner: 11%; September-II 2015: 6%). Bei den Ostdeutschen ist die Bewertung ähnlich wie vor fünf Jahren: 22% (September-II 2015: 20%) sind der Ansicht, dass sie am meisten Vorteile von der Wiedervereinigung haben, 42% (September-II 2015: 46%) antworten mit „beide gleich“ und 28% (September-II 2015: 24%) halten den Nutzen für die Westdeutschen für größer (keiner: 7%; September-II 2015: 6%). 

Wirtschaftliche Lage

Für 57% ist die ökonomische Lage in Deutschland gut (April: 56%; Mai: 57%), 36% halten sie für teils gut, teils schlecht (April: 38%; Mai: 35%), 7% stufen sie als schlecht ein (April: 5%; Mai: 7%). 

57% (April: 51%; Mai: 50%) erwarten, dass sich wirtschaftlich demnächst „nicht viel ändern“ wird, 12% (April: 11%; Mai: 13%) rechnen mit einem Aufschwung der deutschen Wirtschaft, 29% befürchten (April: 35%; Mai: 34%) einen Abschwung. 

Aktuell sprechen 65% der Befragten von einer guten ökonomischen Lage im Privaten (April: 62%; Mai: 67%), 28% beschreiben diese mit teils gut, teils schlecht (April: 31%; Mai: 27%) und 7% mit „schlecht“ (April: 6%; Mai: 6%). 

17% der Bürger erwarten, dass es ihnen in einem Jahr ökonomisch besser gehen wird als heute (April: 17%; Mai: 17%), 69% rechnen mit ähnlichen Verhältnissen wie zurzeit (April: 69%; Mai: 70%) und 11% befürchten eine Verschlechterung ihrer persönlichen finanziellen Situation (April: 13%; Mai: 12%). 

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